Beklemmend, wie aktuell die Aufzeichnungen des Jesuiten Alfred Delp sind. Am 2. Februar 1945 wurde er von den Nationalsozialisten hingerichtet. In den Monaten davor hat er in der Gefängniszelle eine Reihe von Meditationen und Texten zur Situation von Kirche und Welt verfasst. Unübersehbar und gleichzeitig schmerzvoll ist für Delp die Kluft, die zwischen Kirche und Menschen aufgebrochen ist. Wie lässt sich eine Brücke schlagen? – Den Worten Delps ist nichts hinzuzufügen: „Die Kirche muss in die Diakonie zurück, in den Dienst der Menschheit. Und zwar in den Dienst, den die Not der Menschheit bestimmt und nicht unser Geschmack oder die Gewohnheit. Rückkehr in die Diakonie habe ich gesagt. Damit meine ich das sich Gesellen zum Menschen in all seinen Situationen mit der Absicht, sie ihm meistern zu helfen, ohne anschließend irgendwo einen Spalte oder Sparte auszufüllen. Damit meine ich das Nachgehen und Nachwandern auch in die äußersten Verlorenheiten des Menschen. Damit meine ich die geistige Begegnung als echten Dialog, nicht als monologische Ansprache und Quengelei. Das alles wird aber nur verstanden und gewollt werden, wenn aus der Kirche wieder erfüllte Menschen kommen.“