Das Zusammenleben von Menschen unterschiedlicher Herkunft, mit unterschiedlichen Lebensgewohnheiten und Bräuchen, mit unterschiedlicher Religion oder Weltanschauung ist sicherlich nicht einfach. Was dem einen „Heimat“ ist, bleibt dem anderen fremd, was dem einen heilig ist, bereitet dem anderen nur Kopfschütteln – oder findet sogar dessen dezidierte Ablehnung. Es ist ein Boden, auf dem Ängste gedeihen und Vorurteile. Es ist Nährboden für jene, die in den guten Samen der Menschlichkeit und Verständigungsbereitschaft das Unkraut säen. Das Unkraut tut dem Weizen nicht gut. Und wenn man tatenlos zuschaut, bis es seine Samen weiter ausstreuen kann, versaut es ein ganzes Feld.
Hans Baumgartner
In der Tiefe gefangen
Die gute Nachricht nach dem Unglück in Chile, bei dem 33 Minenarbeiter verschüttet wurden, ist: Alle Bergarbeiter leben, können durch eine „Nabelschnur“ mit Sauerstoff, Wasser, Nahrungsmitteln und Medikamenten versorgt werden; können Kontakt aufnehmen mit ihren Familien und Freunden. Das grenzt an ein Wunder. Die weniger gute Nachricht ist: Sie müssen voraussichtlich bis Weihnachten warten, bis sie aus rund 700 Metern Tiefe gerettet werden können. Das bringt die Verschütteten an die Grenzen ihrer Belastbarkeit. Da können sich schnell Angst, Depressionen, Panik und Erschöpfung breitmachen. Deshalb ist jetzt nicht nur die Technik gefordert, es braucht auch erfahrene Seelsorger und Psychologen, starke Angehörige und Menschen, die diese stützen.