Innovativ, bunt und verspielt. Diese Begriffe hört man nur selten im Zusammenhang mit dem Militär oder der katholischen Kirche. Militärseelsorger Stefan Gugerel will dem entgegenwirken und entwirft für sich und seine Gemeinde farbenprächtige, moderne liturgische Gewänder.
Eine Uniform übermittelt dem Betrachter eine Information: Wofür ist der Träger/die Trägerin zuständig? Was kann man von ihm/ihr erwarten? Dasselbe Prinzip gilt, so Stefan Gugerel, auch für liturgische Gewänder. Sie sind die Amtstracht eines Geistlichen und sollen der Würde der gottesdienstlichen Feier entsprechen.
„Sternen-Ornat“. Gugerel lässt sich bei seinen Entwürfen nicht nur vom Kirchenjahr, sondern auch von weltlichen Anlässen inspirieren und setzt sie in Beziehung zum Glauben. Das internationale Jahr der Astronomie 2009 etwa war für Gugerel Anlass, ein Messgewand zu entwerfen, das er „Sternen-Ornat“ nennt (Mitra im Bild rechts). Bei der Wahl der Stoffe beschreitet er ebenfalls ungewöhnliche Wege: Für den „Sternen-Ornat“ dienten zwei Kinder-Vorhänge als Ausgangsmaterial. Mit den Stoffen in der Hand und einer Idee im Kopf geht er zu Schwester Bernadette Hofer. Sie ist die Leiterin der Paramentenwerkstatt der Schulschwestern in St. Pölten und schneidert die Ornate nach Gugerels Vorstellungen.
Gemeindestruktur. Gugerel ist Militärpfarrer in Linz, Enns und Freistadt. Zu seiner Gemeinde gehören vor allem junge Grundwehrdiener. Für diese ist die Aussicht, eine Stunde mit dem Priester in der Kirche zu verbringen, verlockender als eine Stunde Dauerlauf am Militärgelände, weiß Gugerel. Deswegen verwendet er gerne auffällige Stoffe, denn „so bleibt der Gottesdienst den vielen kirchenfernen Rekruten in Erinnerung“. Dass die Militär-Gemeinde eine sehr junge Gemeinde ist, sieht er als großen Vorteil: „Sie lässt sich auf alles ein und ist experimentierbereit“, freut sich der 31-jährige Seelsorger. „Das hängt vielleicht damit zusammen, dass ein Großteil der Gemeinde alle sechs Monate wechselt.“
Sonderanfertigungen. Die Ornate sind keine Ausstellungsstücke. Gugerel und auch Militärbischof Christian Werner tragen die Einzelstücke bei den Gottesdiensten. „Ich bin der Einzige, der für den Bischof schneidern lässt, und der Bischof trägt die Gewänder und Mitren auch nur, wenn er zu mir kommt“, lacht der Hobby-Designer.
Zur Sache
Ostern in Schwarz-Weiß
Viele der „normalen“ Ornate (Messgewänder) sind Gugerel zu langweilig. „Bedrucktes Geschenkspapier“ nennt er schlecht verarbeitete, unkreative Gewänder. „Das ist eine Zumutung für die Gemeinde, die das anschauen muss.“ Das Messgewand soll zum Ausdruck bringen, was während der Liturgie gefeiert wird. Da sind alte, farblos gewordene Gewänder, die vielleicht schon Löcher und Flecken haben, fehl am Platz.
„Früher“, so Gugerel, „passten die Messgewänder zur Innenausstattung der Kirchen.“ Dies gilt es heute wieder neu zu bedenken. „In eine moderne, künstlerisch neu gestaltete Kirche würde ein Priester mit einem modernen, farbenfrohen Messgewand gehören“.
Gugerel lässt, der barocken Tradition folgend, aus einem Entwurf immer mehrere Gewänder anfertigen: eines für den Diakon, eines für den Priester, einen Chormantel und eine Mitra. Die befreiende Osterbotschaft hat er in einem Ornat dargestellt (im Bild unten der Chormantel). „Die Auferstehung durchbricht die Trauer“, lautet die Aussage. Das Licht verdrängt die Dunkelheit.