Job gekündigt, Erspartes zusammengekratzt, Rucksack gepackt. Anna Eckerstorfer (23) und Simone Lengauer (24) aus St. Johann am Wimberg reisten für ein halbes Jahr quer durch Asien.
Sonne, Strand und Faulenzen am Meer. Die Urlaubssehnsucht der meisten Landsleute ist für Anna Eckerstorfer (23) und Simone Lengauer (24) ein Albtraum. „Da fadisieren wir uns nur“, sind sich die beiden Freundinnen aus St. Johann am Wimberg einig. „Wir reisen immer nur mit Rucksack“, betont Anna. Relativ spontan entschieden sich die jungen Mühlviertlerinnen im vergangenen Jahr für einen sechsmonatigen Trip quer durch Asien. Anna kündigte ihren Job als Krankenschwester, Simone nahm sich nach Saisonarbeit und abgeschlossenem Studium zur Gesundheitsmanagerin eine Auszeit. Gemeinsam kratzten sie ihre Ersparnisse für die Reise zusammen, die sie durch Nepal, Thailand, Laos, Kambodscha, Vietnam, China und Tibet führen sollte.
Aufbruch nach Reisesegen. Nachdem sie sich den Reisesegen vom Pfarrer geholt hatten, starteten Anna und Simone im Winter 2009 an der Ostküste von Indien. Armut, einfachste Lebensverhältnisse und Hunger der Menschen hinterließen einen tiefen Eindruck bei Anna und Simone. „Da sagt man Dankeschön, dass man hier geboren wurde“, meint Simone. Und: „Ein Land lernt man nur kennen, wenn man sich mit ihren Problemen auseinandersetzt.“ Für mehrere Wochen halfen sie deshalb in einem Ordenshaus in Kalkutta mit. „Jeder, der will, kann bei Missionarinnen der Nächstenliebe unbürokratisch mitarbeiten“, erklären Simone und Anna, wieso sie sich ausgerechnet auf die Spuren von Mutter Teresa begeben haben. Beeindruckend sei es außerdem, was die berühmteste aller Missionarinnen bewirkt habe.
Seelsorge und Medizin. Während Simone in einem Frauenhaus Seelsorge leistete, übernahm Anna den pflegerischen und medizinischen Part. Trotz 5 Uhr Tagwache und der harter Arbeit den ganzen Tag lang fühlten sie sich nach dem Hilfseinsatz erholt. Gestärkt setzten ihre Reise durch Indien, Tibet und Nepal fort. Bis sie wieder ihrer Devise folgten: „Wo uns wer braucht, da helfen wir.“ In Kambodscha erfuhren sie in einem Café, dass beim Aufbau einer Schule Ehrenamtliche gesucht werden. Zehn Tage lang setzten Anna und Simone Bäume und bauten am Spielplatz des Schulgebäudes mit. Mit den guten Gefühl, etwas für die Kinder der Landes getan zu haben. „Ich gehe aber nicht in erster Linie in diese Länder, weil ich den Armen helfen muss. Das tue ich zu Hause als Krankenschwester auch. Mir geht es vor allem darum, den Menschen offen zu begegnen“, erklärt Anna Eckerstorfer. Dennoch: Was die beiden Frauen nicht aushalten, ist die Not der Menschen in Pakistan zu sehen, sagen Anna und Simone: „Es tut so weh, wenn man da nur zu Hause sitzt.“ Sollte sich die Möglichkeit für einen Hilfseinsatz ergeben, wollen sie noch im nächsten Jahr in das von der Flut gebeutelte Pakistan aufbrechen.