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Ziemlich schwere Schulaufgaben

Während um eine große Schulreform diskutiert wird, warten viele praktische Schulprobleme auf Lösungen
Ausgabe: 2011/07, Schulaufgaben, Schulreform, Schulprobleme, Asanger, Gymnasium, Gappmaier
16.02.2011
- Matthäus Fellinger


Kommt die gemeinsame Schule der 10- bis 14-Jährigen? Wird es in Zukunft noch das achtjährige Gymnasium geben? Während politisch um die Schule der Zukunft gerungen wird, stehen die Schulen selbst vor ganz praktischen Problemen. Der Lehrer/innenmangel ist das größte davon.

Innerhalb der nächsten zehn Jahre werden die Hälfte aller Lehrerinnen und Lehrer Oberösterreichs in Pension gehen – an den Pflichschulen genauso wie an den allgemeinbildenden und berufsbildenden Schulen (AHS, BHS). 10.000 insgesamt. Bei den Pflichtschulen hofft Landesschulrats-Präsident Fritz Enzenhofer, die Situation mit der laufenden Informationskampagne für den Lehrberuf abfedern zu können. Doch erst in vier Jahren werden sich die bereits deutlich höheren Studierendenzahlen an den Pädagogischen Hochschulen in den Schulen auswirken. Noch immer gibt es rund 700 ausgebildete Lehrer/innen auf der „Warteliste“, die allerdings inzwischen zur Hälfte in anderen Berufen stehen.

Gymnasien vor Problemen. Viel schärfer stellt sich das Problem in den Gymnasien. Rund 850 AHS- und BHS-Lehrer/innen werden in Oberösterreich innerhalb der nächsten drei Jahre in Pension gehen. Besonders in den Schularbeitenfächern ist der Mangel schon jetzt deutlich spürbar. Nur etwa ein Drittel rückt nach – vorwiegend Frauen, sodass auch mit Karenzzeiten zu rechnen sein wird. Dr. Josef Gappmaier, Personalvertreter für die allgemeinbildenden höheren Schulen, benennt die Folgen. Erholungsphasen oder Stundenreduzierungen für Professor/innen seien kaum mehr möglich. Dass Lehrer/innen länger bei ihrem Kind zu Hause bleiben wollen, werde auch restriktiver gehandhabt. Unter-richtspraktikant/innen seien vielfach schon voll als Lehrkräfte eingeplant. Präsident Enzenhofer verweist auf die in Oberösterreich konsequent umgesetzte Senkung der Klassenschüler-Höchstzahl auf 25. Das allein mache – auf alle Schulen gerechnet – etwa 800 Dienstposten aus.

Wertschätzung für Bildung. „Wir brauchen wieder mehr Wertschätzung für Bildung!“, betont Mag. Franz Asanger, Direktor am Bischöflichen Gymnasium Petrinum. Dazu gehöre auch der Respekt Lehrerinnen und Lehrern gegenüber. Genauso wie die Anerkennung der Schülerleistungen. Die allermeisten Schüler/innen seien leistungsbereit. Diese gehörten vor den Vorhang, nicht jene, die schlechte Noten schönreden.
Für Asanger stehen viele praktische Probleme im Raum, die es zu lösen gelte. Da sei einerseits die sinnvolle Forderung nach mehr Präsenz der Lehrenden an den Schulen, aber es fehlt dort an Platz. Die in den PISA-Studien deutlich gewordenen Mängel verlangen nach gezielter Leseförderung und intensiverer Zusammenarbeit mit den Eltern. Auch mehr schulpsychologische Begleitung und Sozial-arbeit wären notwendig. Doch es fehlt an Mitteln und Personal.

Die Neue Mittelschule. Im Schulversuch wird zurzeit die „Neue Mittelschule“, in der eine Hauptschule und eine Gymnasium-Unterstufe nach einem gemeinsamen Lehrplan unterrichtet werden, erprobt. Der Hauptunterschied zur Hauptschule: Hier wird mit sechs Stundeneinheiten zusätzlich von zwei Lehrer/innen unterrichtet. Personal, das andernorts fehlt. Die nötige Zahl an AHS-Lehrer/innen für eine generelle Einführung der Neuen Mittelschule aufzubringen, ist für Enzenhofer unrealistisch. Also müsste man stärker auf Hauptschul-Lehrkräfte zurückgreifen.

Gemeinsame Ausbildung? Eine offene Frage ist die Lehrer/innen-Ausbildung. Alle Lehrenden sollten künftig gemeinsam in den Pädagogischen Hochschulen ausgebildet werden, so der Plan von Unterrichtsministerin Claudia Schmied und Wissenschaftsministerin Beatrix Karl. Sie haben dafür gerade ein Konzept in Auftrag gegeben. Enzenhofer spricht sich für eine Weiterentwicklung der Pädagogischen Hochschulen zu Universitäten aus. Für die Oberstufen an den Gymnasien sollte auch die Ausbildung an den jetzigen Universitäten möglich bleiben. Seine Kernthese lautet: Wenn es gelingt, die talentiertesten Leute in die Lehrberufe zu bringen, haben wir mehr für die Schulqualität getan, als durch organisatorische Maßnahmen möglich wäre.

Wert der Allgemeinbildung. Direktor Asanger hofft, dass in der Ausbildung die fachlichen Aspekte genügend zum Tragen kommen. Er plädiert für eine universitäre Ausbildung aller Lehrerinnen und Lehrer. Und: Die allgemeinbildenden, gemeinschaftsstiftenden und musischen Aspekte müssten in allen Schulen ausreichend gewichtet werden. „Umfassend bilden, nicht zurechtrichten“, laute der Grundsatz.

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