Offen gefragt – Kirchendiskussion in Ried im Innkreis
Ausgabe: 2011/07, Kirchendiskussion, Ried, St. Franziskus, Kirche, Gmeiner
16.02.2011
- Matthäus Fellinger
Es gibt sie noch: volle Säle bei kirchlichen Veranstaltungen. Das Bildungshaus St. Franziskus in Ried i. I. hat zusammen mit der KirchenZeitung zur Diskussion über die Zukunft der katholischen Kirche geladen.
„Ich bin überzeugt, dass wir einer Kirche entgegengehen, in der Mann und Frau gleich an Würde – auch in allen Ämtern – sein werden.“ Peter Paul Kaspar, Künstlerseelsorger und Mitglied der Bewegung„Wir sind Kirche“, rechnet mit einem bevorstehenden Wandel in der Kirche – wie Kirche sich in ihrer langen Geschichte immer wieder gewandelt hat. Kan. Leon Sireisky gehört dem Linzer Priesterkreis an. Für ihn ist klar: Kirche ist nicht Selbstzweck, sie ist für die Menschen da. Der Stellenwert der Laien sei in der Diözese Linz besonders hoch. Ein Fragezeichen gelte es zu setzen, wenn es zu einem Vertauschen der Aufgaben von Klerus und Laien käme. Kirche wird immer mehr eine Entscheidungskirche sein, betonte Dechant Johann Gemeiner (Grieskirchen) – und das wäre gut so. So viel als möglich an Substanz in die Zukunft mitzunehmen, sei eine Herausforderung für die Seelsorge. „Ich bin mir sicher, dass die Menschen eine Kirche suchen, die offen und dialogfähig mit den Menschen mitgeht“, meinte KA-Präsidentin Margit Hauft. Zum von manchen kritisierten „Linzer Weg“ meinte sie: „Es ist nicht das schlechteste Holz, an dem die Wespen nagen.“ Vieles, was in Linz entwickelt wurde, würde nun in anderen Diözese nachgemacht. Aus dem Publikum kamen kontroverse Stimmen, vor allem zur Rolle der Frau in der Kirche und zur Pflichtzölibats-Thematik. Dechant Gmeiner nannte am Schluss als eine seiner Sorgen: Die Frauenorden, schätzt er ein, stünden vor dem Aussterben. „Sie bewegt sich doch – die Kirche“, schloss Bildungshausleiter Josef Schwabeneder die Diskussion. In Ried bewegte sie zumindest die Gemüter.