Vier von fünf Oberösterreicher/innen ist die Nahversorgung wichtig. Sie sicherzustellen braucht aber auch kreative Ideen
Ausgabe: 2011/10, Nahversorger, Geschäft, Dimbach, St. Thomas, Kaufhaus, Sorge, Weisinger
09.03.2011
- Ernst Gansinger
„Die Sorge ist mir schon unter die Haut gegangen“, sagt Dimbachs Bürgermeister Josef Wiesinger, der jetzt aber „stolz“ ist, dass das Geschäft so gut angenommen wird und den regionalen Kreislauf stärken kann.
Ende Juni 2006 sperrten die Lebensmittelgeschäfte in Dimbach und in St. Thomas am Blasenstein zu. Anfang Juli 2006 sperrten sie wieder auf – unter neuer Trägerschaft: Die beiden Gemeinden führen sie als Vereins-Kaufhäuser weiter.
„Wenn es kein Kaufhaus mehr gibt, sind die Leute weg!“ So zitierten wir im Juni 2006 den Dimbacher Amtsleiter Rudolf Freinschlag im Beitrag über die Herausforderung, vor der Dimbach und St. Thomas standen. Um die Leute im Ort zu halten und den Ort attraktiv auch für Betriebe und Zuwanderer zu machen, haben Verantwortungsträger, unterstützt von Chris-toph Lettner, damals Regionalbüro Strudengau, eine Nahversorgungs-Initiative gestartet.
Belohntes Wagnis. „Es hat sich total positiv entwickelt“, freut sich Dimbachs Bürgermeis-ter Josef Wiesinger, dass der große Einsatz gute Frucht trägt. Der Umsatz steigt. Setzte 2007 das Dimbacher Nah & Frisch Kaufhaus 567.000 Euro um, sind es letztes Jahr etwa 80.000 Euro mehr gewesen. Aus den Statistiken weiß man, dass jede Person durchschnittlich pro Jahr etwa 1.600 Euro für die Grundversorgung ausgibt. Ein gut geführtes Geschäft bindet ein Viertel dieser Ausgaben im Ort. Für die 1100 Einwohner zählende Gemeinde Dimbach würde dieses Viertel knapp 450.000 Euro bedeuten. Es sind nun aber schon fast 650.000 Euro. – Das Wagnis lohnt sich also!
Warengutscheine. Die Bevölkerung steht hinter ihrem Kaufhaus. Das zeigt sich auch beim Kauf der Warengutscheine. Zum Kaufhaus-Start 2006 kauften die Dimbacher Gutscheine im Wert von 42.000 Euro. Beim zweiten Gutschein-Verkauf – zum Umbau 2010 – wurden um mehr als 65.000 Euro Gutscheine abgesetzt. Die Warengutscheine sind zinsen-lose Kredite, mit denen die Bevölkerung ihr Kaufhaus stützt. In den drei Folgejahren werden diese Gutscheine im Kaufhaus eingelöst.
Mitgliedschaft. Wie Dimbach und St. Thomas haben noch ein paar andere oö. Gemeinden ein Vereinskaufhaus, zu dem die Bevölkerung ein „Unser Geschäft“-Gefühl entwickelt.. In Dimbach sind Familien Mitglieder (120), in St. Thomas Einzelpersonen (250). Als 2010 das Dimbacher Kaufhaus umgebaut wurde, haben viele Vereinsmitglieder Robotarbeiten geleistet und so geholfen, die Kosten zu drosseln. Das Gemeinde-Bewusstein von „unserem Kaufhaus“ sorgt dafür, dass das Kaufhaus ein Treff für Jung und Alt geworden ist, wo man auch in einem kleinen Café gemütlich beisammen sein kann. Im Kaufhaus haben regionale Anbieter und Produkte einen guten Platz. Auch ein Uhrmacher aus Ybbs ist im Dimbacher Kaufhaus an zwei Tagen präsent. Dimbach sei bunter und aktueller geworden, Leute und Betriebe ziehen zu. Die zum Verkauf angebotenen Häuser werden verkauft: Die Freude bei den Gemeindeverantwortlichen und beim Regionalberater über die gute Umsetzung der Idee und den Lohn der Mühe ist groß.
Zur Sache
Nahversorgung
Der Wirtschaftsbund OÖ will künftig ein Gütesiegel für ausgezeichnete Nahversorger vergeben. Er präsentierte Zahlen zum Thema „Nahversorgung“ aus einer „market“-Umfrage: - 83 Prozent aller Oberösterreicher/innen über 16 Jahre halten die Nahversorgung für sehr wichtig, weiteren 16 Prozent ist sie wichtig. - Dass die Nahversorgung in Oberösterreich sehr gut oder gut funktioniert, meinen drei von vier Landsleuten. Je älter sie sind, desto weniger stark aber sind sie davon überzeugt. - Für wichtig im Sinn einer funktionierenden Nahversorgung halten die allermeisten Befragten, dass es ein Lebensmittelgeschäft gibt, auf den Rängen folgen: Bäckerei, Konditorei, Gasthaus, Post (Postpartner), Tank-stelle, Handwerker.