Genau ein Jahr dauert es noch bis zur nächs-ten Pfarrgemeinderatswahl. Die neuen Pfarrgemeinderäte werden Weichensteller für die Zukunft der Kirche in Oberösterreich sein. Das wurde bei der Pastoralrates-Vollver-sammlung am 11. und 12. März deutlich.
„Verbindliche Zusammenarbeit.“ Das ist das Prinzip, mit dem man in der Diözese Linz die Seelsorge unter den heutigen Rahmenbedingungen gestalten will. Vor allem betrifft das die Zusammenarbeit unter den Pfarren. Bei der Frühjahrsversammlung des Pastoralrates wurde am Freitag und Samstag der Vorwoche die Richtung skizziert. Ziel ist die Förderung von „pastoralen Orten“, an denen sich Christinnen und Christen großteils ehrenamtlich, aber mit hauptamtlicher Unterstützung, engagieren. Auch weniger mobile Menschen wie Kinder, Senioren oder auch Menschen mit besonderen Interessen sollen so leichter Zugang zu einer Kirchengemeinschaft finden. Solche pastoralen Orte können „Pfarren“ sein, aber auch Gemeinden etwa um eine Filialkirche oder Seelsorgestelle. Innerhalb der Seelsorgeräume und innerhalb der Dekanate soll dabei noch viel mehr zusammengearbeitet werden.
Zusammenlegung von Pfarren möglich. Ein beim Pastoralrat vorgestellter Entwurf schließt dabei auch die Zusammenlegung von Pfarren nicht mehr aus. Das werde zwar von der Diözesanleitung nicht aktiv betrieben, wenn aber Pfarren von sich aus eine Zusammenlegung anstreben, sollte das möglich werden.
Strukturfonds kommt. Mit der Einführung eines Strukturfonds will die Diözese auch einen Ausgleich zwischen finanzstarken und finanzschwachen Pfarren fördern. Wie Diözesanökonom Mag. Reinhold Prinz ausführte, haben gerade die mittelgroßen Pfarren Finanzprobleme, während sehr große und die kleinen Pfarren leichter über die Runden kommen. Aus dem Strukturfonds sollen Pfarren ohne hauptamtlichen Seelsorger am Ort Zuschüsse für das Sekretariat erhalten, Pfarren mit ehrenamtlichen Seelsorgeteams werden ebenfalls Zuschüsse erhalten, auch Seelsorgeaushilfen sollen daraus finanziert werden. Zudem sollen Mittel für eine „Entschuldung“ von Pfarren daraus zur Verfügung gestellt werden. Der Anteil, den Pfarren am Kirchenbeitragsaufkommen zurückerhalten, wird im Gegenzug von 9,5 auf 9 Prozent gesenkt, ab dem Jahr 2012 um einen weiteren halben Prozentpunkt.
Der Pastoralrat sprach sich bei der Vollversammlung zusätzlich für die Einrichtung eines diözesanen Solidaritätsfonds aus. Zweck sollte die Unterstützung von Pfarren in finanziellen Engpässen sein. Pfarren, die Vermögen haben, sollen eingeladen werden, gegenwärtig nicht benötigte finanzielle Mittel zinsenlos für diesen Fonds zur Verfügung zu stellen. Pfarren in finanziellen Engpässen können aus diesem Fonds Mittel ebenso zinsenlos beantragen. Die Vollversammlung beauftragte den Vorstand, Vorbereitungen zur Errichtung des Fonds zu beginnen.
Zukunftsgespräche. Ausführlich wurde über die Vorbereitung zur Pfarrgemeinderatswahl am 18. März 2012 gesprochen. Mit „Zukunftsgesprächen“ und anderen Aktionen will man eine möglichst hohe Beteiligung erreichen und die Motivation fördern. Die neuen Pfarrgemeinderäte würden die Weichen für die Jahre bis 2017 stellen.
Flüchtlinge aufnehmen. Diözesanbischof Dr. Ludwig Schwarz sprach sich angesichts der politischen Entwicklung in Nordafrika dafür aus, eventuell vermehrt kommenden Flüchtlingen offen zu begegnen. In der Diözese möge man sich Gedanken machen, wie man dem Anspruch Jesu in dieser Situation gerecht werden könne: „Ich war fremd und obdachlos und ihr habt mich aufgenommen“.