Durchschnittlich tritt ein/e Österreicher/in pro Tag zur Bewältigung einer Strecke von 400 Metern in die Radpedale. Je kleiner die Gemeinde und je flacher das Gelände, desto größer ist der Radanteil am Verkehr.
Weil es hügelig ist oder zu weit, weil man ins Schwitzen kommt, weil die Witterung nicht passt und weil man sich mit dem Rad unsicher fühlt: Diese Gründe, warum man nicht mit dem Rad fährt, nannten Befragte in der Energieregion Weiz am häufigsten.
Vollwertiges Verkehrsmittel. „Das Fahrrad wird oft nur als Sportgerät angesehen und nicht, was es vor allem ist, als ein vollwertiges Verkehrsmittel im Alltag“, sagt der Radverkehrsbeauftragte des Landes OÖ, Christian Hummer, und setzt fort: „Gerade auf kurzen Wegen – die Hälfte aller Autofahrten sind kürzer als fünf Kilometer – spielt das Rad seine vielen Vorteile aus.“ Mag. Gerhard Prieler von der Initiative FahrRad OÖ, stößt ins selbe Horn: „Zumindest bis zu drei Kilometern ist das Fahrrad das bei Weitem schnellste Verkehrsmittel.“ Prieler ortet in den Innenstädten das stärkere Bewusstsein fürs Radfahren. Die Parkplatznot spielt dabei sicher eine Rolle.
230.000.000 Kilometer. Für 57,4 Prozent aller Verkehrsteilnehmer/innen ist im Alltag das Auto das Hauptverkehrsmittel, jede/r Fünfte fährt öffentlich, jede/r Zehnte geht zu Fuß und elf Prozent benutzen das Fahrrad. In Oberösterreich fahren ungefähr 24.000 Menschen täglich mit dem Rad. 166 Kilometer betrug in Österreich im Jahr 2005 die durchschnittliche Rad-Kilometerleistung pro Person, insgesamt wurden also in Oberösterreich mehr als 230 Millionen Kilometer gefahren!
Kritische Situationen. So sehr auch das Radfahren gesund, umweltverträglich, auf kurzen Distanzen überlegen und kostenschonend ist, so sehr tritt es im Alltagsverkehr – nicht im Tourismus – auf der Stelle. Die Lobbyisten des Radfahrens wie Hummer und Prieler nennen Problemzonen: Man darf für Radfahrer/innen nicht dadurch Platz schaffen, dass man diesen den Fußgänger/innen wegnimmt und den KFZ-Verkehr „unbehelligt“ lässt. Autofahrer überholen oft mit zu geringem Abstand. Radfahrwege sollen baulich nicht von der Fahrbahn getrennt werden, Radfahrstreifen am Fahrbahnrand bieten mehr Sicherheit. „Zweirichtungs-Radwege sind grundsätzlich ein Problem.“ Eine Helmpflicht könnte die Lust, mit dem Rad zu fahren, verringern.
Raum-Unordnung. Als massivste Förderung des Autoverkehrs bezeichnet Prieler die Einkaufszentren außerhalb der Bezirksstädte. „In Österreich sind 51 Prozent aller Einkaufsflächen auf der grünen Wiese, in Deutschland nur 17 Prozent! Diese Tatsache wie auch die Zersiedelung, Folgen einer versagenden Raumordnungspolitik, fördert den Individualverkehr.“
„Der Schwerpunkt der Fördermaßnahmen des Landes liegt 2011 unter anderem beim Thema ,Mit dem Rad zur Arbeit’. Arbeitnehmer/innen sollen motiviert werden, ihre geradelten Arbeitswege aufzuzeichnen und mit Kolleginnen, die bisher noch nicht mit dem Rad gefahren sind, Teams zu bilden.“
Christian Hummer
www.radfahren.klimaaktiv.at www.ifahrrad.at www.help.gv.at (Thema: Rad fahren)