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Wo Da-sein alles ist

Notfallseelsorger/innen helfen in den dunkelsten Lebensstunden
Ausgabe: 2011/17, Notfallseelsorge, Lebensstunden, da-sein, Schock, helfen, Helletzgruber
27.04.2011
- Matthäus Fellinger


Ein Unfall. Ein unvermuteter Tod. Da ist oft nur Chaos, und man möchte es nicht glauben. Notfall-Seelsorger/innen helfen Menschen, dass sie in den ersten Stunden des Schocks wieder Halt finden.

„Manche kommen in ihrem Leben erst mit 30, 40 Jahren mit Tod und Leid in Berührung – für mich hat es von klein auf dazugehört“ – erzählt Michaela Helletzgruber. Sie entdeckte bei sich die „Gabe“, dass sie für Menschen, in deren Alltag der Tod plötzlich hereinbricht, gut da sein kann. Für jene Frau zum Beispiel, die den ganzen Tag unterwegs gewesen war – und am Abend musste ihr Michaela mit der Polizei die Nachricht überbringen, dass ihr Mann verunglückt ist. Sie war so tief verzweifelt. Erschüttert. Traurig. An Gott hat diese Frau nicht gezweifelt. Bei anderen hat Michaela es erlebt, wie sie die Frage quält: Wie kann Gott das zulassen?
Michaela Helletzgruber ist Notfallseelsorgerin – eine von über 100 in Oberösterreich. Not-fallseelsorger/innen arbeiten im Kriseninterventionsteams des Roten Kreuzes (KIT) mit. Sie stellen sich Menschen in den schwersten Stunden ihres Lebens zur Verfügung – ehrenamtlich.

Der Anfang. Es waren Katastrophen wie das Lawinenunglück in Galtür, das Grubenunglück in Lassing, auch die Kaprun-Katastrophe, die deutlich gezeigt haben: Es braucht Leute, die vor allem eines können: für Hinterbliebene und Menschen, die solche Katastrophen erleben mussten, unmittelbar da sein.

Ein Einsatz. Es kann ein Unfall sein – wie beim Kind, das beim Einsteigen in den Schulbus überfahren wurde. Der Schock für den Busfahrer, die Mitschüler, die es mitansehen mussten, den Unfalllenker – und die Mutter, die noch nichts weiß – und verständigt werden muss.
Von der Einsatzzentrale des Roten Kreuzes wird in solchen Situationen die Notfallseelsorge oder ein Mitarbeiter des Roten Kreuzes verständigt – wer eben gerade „Bereitschaft“ hat. Im Schock nehmen viele die Wirklichkeit noch gar nicht wahr. Es kann doch wohl nur ein Albtraum sein! Dann bricht vieles auf einmal herein. Angehörige, die verständigt werden müssen. Der Kontakt mit dem Bestatter. In den ersten Stunden beizustehen und zu unterstützen – das ist die Aufgabe. Wenn erforderlich, wird eine anschließende Betreuung (z.B. durch den Psychosozialen Notdienst) in die Wege geleitet.
Es ist oft alles so chaotisch in diesen Stunden. Die Notfallseelsorger/in organisiert unter anderem für Angehörige, dass sie die/den Verstorbene/n sehen und sich verabschieden können, auf Wunsch mit einem Gebet oder einem Abschiedsritual.
Aber auch anderen Einsatzkräften wie Feuerwehrleuten gehen solche Situationen nahe. Da ist es gut, wenn jemand da ist, mit dem sie das Erlebte teilen können. Die Notfallseelsorge wird ökumenisch organisiert. 15 weitere Frauen und Männer werden am 29. April ihre Beauftragung nach der einjährigen Ausbildung erhalten. Einer von ihnen: Pfarrer Martin Madrutter von der evangelischen Pfarre Linz-Mitte. „Ich spürte, dass ich da Defizite als Seelsorger habe“, erzählt er. Also hat er die Ausbildung gemacht. So will er besser für Menschen da sein können.

In ganz Oberösterreich. Michaela Helletzgruber hat ihre „Gabe“ über ihr ehrenamtliches Engagement hinaus weiterentwickelt. Seit drei Jahren ist sie Referentin für die Notfallseelsorge in Oberösterreich. Aus- und Weiterbildung, Vernetzung mit Einsatzorganisationen, Einsatznachbesprechungen sind einige ihrer Aufgaben. Oberösterreich ist jetzt flächendeckend mit qualifizierten Notfallseelsorger/innen versorgt. Deshalb wird der nächste Kurs erst in zwei Jahren starten. Einen eigenen Ausbildungskurs gibt es jedoch demnächst für Feuerwehrseelsorger. Gerade junge Feuerwehrleute erleben oft Schreckliches, das unter die Haut geht.





Zehn Jahre Notfallseelsorge

Am Freitag, 29. April, 18 Uhr, feiert die Notfallseelsorge in der Pfarrkirche Christkönig in Linz das zehnjährige Bestehen. Das Fest beginnt mit einem ökumenischen Gottesdienst mit Bischofsvikar Willi Vieböck und Superintendent Gerold Lehner. Im Anschluss erhalten 15 Absolvent/innen, die neu ausgebildet wurden, ihre Beauftragung für ihren ehrenamtlichen Dienst. Im Einsatz tragen Notfallseelsorger/innen europaweit grüne Uniform.
Seit 2001 wurden in Oberösterreich rund 130 Personen für die Arbeit in der Notfallseelsorge ausgebildet, über 100 sind aktiv.

- www.dioezese-linz.at/notfallseelsorge
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