Qualitativ hochwertige Lebensmittel und Landschaftspflege sind Leistungen der heimischen klein strukturierten Landwirtschaft. Diese Leistungen werden den Bauern aber oft nur unter Wert abgegolten. Die Frage ist: Was ist ein fairer Preis?
Der diesjährige Solidaritätspreisträger der KirchenZeitung, Keimlingsbäcker Karl Mayer aus Schardenberg, sieht jeden Einzelnen in die Pflicht genommen: „Jeder ist Opfer und Täter. Ich muss mich fragen, was ist mir etwas wert?“ Die großen Diskonter, die das lokale Kulturleben nicht fördern, schleudern bei den Preisen der Grundnahrungsmittel wie Butter, Zucker und Mehl. „Sie lassen unsere klein strukturierte Landwirtschaft bluten“, sagt Mayer. Wertvolle Produkte haben dabei keinen wertvollen Preis. Über den niedrigen Preis werden Käufer angelockt. Bei Modeprodukten, die diesen Wert nicht haben, wird dann ein „hochwertiger“ Preis verlangt – zum Beispiel bei Fitness-Getränken.
Nicht ganz dem Markt überlassen. Der Generaldirektor der Raiffeisenlandesbank OÖ, Dr. Ludwig Scharinger, regte beim Landesbauern-Stammtisch für qualitativ wertvolle Lebensmittel aus der heimischen Produktion eine Art Kollektivvertrag an, um den Produzenten einen fairen Mindestpreis zu garantieren. Der KirchenZeitung gegenüber präzisierte er: Eine klein strukturierte Bewirtschaftungsform brauche Schutz, man könne das nicht zur Gänze dem Markt überlassen, denn der Markt wirke wie ein Naturgesetz. Es herrsche immer der Stärkere über den Schwächeren. – Vertragspartner eines Lebensmittel-KVs müssten die drei großen Sozialpartner Landwirtschafts, Wirtschafts- und Arbeiterkammer sein. Eine Preisgarantie könnte, wie in den USA, über eine Versicherung erreicht werden, wobei die öffentliche Hand bei den Prämien unterstützen müsse.
Skandal Spekulation. Die Lebensmittelpreise sind wesentlich mit internationalen Krisenthemen verbunden: „Spekulation in agrarische Rohstoffe, wie etwa Reis, Soja, Mais oder Getreide, hat massive Auswirkungen: Durch die höheren Preise sind Grundnahrungsmittel für die armen Menschen im Süden nicht mehr erschwinglich“, sagt Mag. Elfriede Schachner von SÜDWIND. In den sogenannten Entwicklungsländern geben Menschen bis zu 80 Prozent ihres Einkommens für Nahrungsmittel aus. Bei uns sind es etwa zwölf Prozent! Schachner nennt die Spekulation auf Grundnahrungsmittel einen „Skandal“.
Kluft. Generaldirektor Scharinger weist auf Untersuchungsergebnisse hin: 92 Prozent der Konsumenten sagen, sie wären bereit, für Qualitätsprodukte mehr zu zahlen. Tatsächlich aber greifen im Geschäft 73 Prozent zur Billigware! Auch der Präsident der Landwirtschaftskammer sagt, die Kluft zwischen Bekenntnis und tatsächlichem Kaufverhalten ist groß.
Zum Thema
Hunger. „Die Steigerung der Nahrungsmittelpreise 2005 bis 2008 um 83 % führte zum historischen Hoch des weltweiten Hungers.“ Mag. Elfriede Schachner, Geschäftsführerin Südwind
Kollektivvertrag. „Ob das die öffentliche Hand zahlt? Eine Versicherung würde eine hohe Prämienleistung bedeuten. Kleine Betriebe wird man überhaupt nicht über den Produktpreis helfen können. Der Wert ihrer gesellschaftlichen Leistung – Bewirt–schaftung der Flächen – müsste gesehen und abgegolten werden.“ Hannes Herndl, Präsident der Landwirtschaftskammer OÖ
Kollektivvertrag. „Der Ruf nach einem Kollektivvertrag klingt populistisch. Der Marktpreis ist offensichtlich kein fairer Preis. Die Frage ist: Wohin gehen die Förderungen? Derzeit sind die Nutznießer eher große Betriebe als biologisch Wirtschaftende. Es braucht zudem eine andere Form der Förderung des ländlichen Raums.“ Dr. Josef Moser, design. Direktor der Arbeiterkammer OÖ