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„Fürchtet euch nicht!“

Die Reichersberger Pfingstgespräche der ÖVP Oberösterreich setzten sich mit der äußeren und der inneren Energie auseinander
Ausgabe: 2011/24, Reichersberg, Pfingsgespräche, ÖVP, Energie, Stift, Nachhaltigkeit, Dankbarkeit, Hillerbrand, Brauner
15.06.2011
- Ernst Gansinger
Energie: Zwei ganz unterschiedliche Zugänge dazu wählten Landeshauptmann Dr. Josef Pühringer und der Benediktiner David Steindl-Rast bei den traditionellen Reichersberger Pfingstgesprächen der ÖVP OÖ im Stift Reichersberg. Aber bei beiden spielte das Jetzt eine besondere Rolle.

Der Landeshauptmann skizzierte in seiner Eröffnungsrede am Pfingstmontag in der Stiftskirche den Weg heraus aus der Atomenergie und hinein in ein Zeitalter der erneuerbaren Energie. Er zitierte den Physiker und Klimaberater der deutschen Bundesregierung, Hans Joachim Schellnhuber:„Die Welt plündert die Vergangenheit und die Zukunft. Das ist die Diktatur des Jetzt.“ Und Pühringer ergänzte: „Diese Diktatur müssen wir beenden!“

Ich und ich selbst. Einen ganz anderen Blick auf die Energiefrage wie auch auf das Jetzt wählte David Steindl-Rast und mutete damit seinen Zuhörer/innen eine geführte philosophisch-spirituelle Auseinandersetzung mit sich selbst zu. Steindl-Rast fragte zunächst, woher wir die innere Energie nehmen, um mit der äußeren Energie entsprechend umzugehen. Daran knüpfte er drei Fragen: Wer entscheidet, wofür entscheide ich mich, wenn ich selbst entscheide und wie kann ich gerechte Entscheidungen treffen? Es sei etwas ganz anderes, ob ich oder ich selbst entscheide. – Das Ich lebt in der Zeit, das Selbst im Jetzt. Die Ewigkeit ist das Jetzt, das nicht vergeht. Das Ego ist die Identifikation mit dem Ich. Das Selbst dagegen ist das, dem wir zugehören. Das Selbst haben wir alle gemeinsam. „Es ist ein Selbst im ganzen Universum.“

Nachhaltigkeit. Zurück vom Philosophischen, hinein ins Politische. Landeshauptmann Pühringer skizzierte den „einzig gangbaren Weg“ der Energie-Politik, den Weg in die Nachhaltigkeit. Bis 2030 soll die Energie, die Oberösterreich braucht, zu hundert Prozent aus erneuerbaren Energiequellen kommen. Das bedeute keine Wohlstandsverluste. Es soll eine Energie sein, die sich alle leisten können und deren Preis die Industrie und die oberösterreichischen Leitbetriebe nicht vertreibt. Wasserkraft soll dabei eine große Rolle spielen.

Mystische Erfahrungen. „Alle Entscheidungen muss ich selbst treffen“, sagte Steindl-Rast, vielleicht auch im Nachklang der Pühringer-Ziele für das Jahr 2030. Jedenfalls wählte er das „Ich-Selbst“ in Zusammenhang mit seinen Ausführungen zum Selbst, das im Jetzt ist. Was macht einen großen Menschen aus, fragte Steindl-Rast und antwortete mit Erkenntnissen des amerikanischen Psychologen Abraham Harold Maslow: Alle großen Menschen haben eines gemeinsam – sie nehmen ihre mystischen Erfahrungen ernst. Es sind Erfahrungen des Eins-Seins mit allem, Augenblicke der Erfahrung vom Selbst. Wenn wir solches Eins-Sein erleben, haben wir keine Angst, keinen Neid, keinen Geiz. „Das Machtsystem wird durch das Demutssystem ersetzt.“ Das sei eine ungeheuer schwierige Entscheidung für Politiker. „Um entscheidende Probleme zu lösen, muss ich selbst das Gesellschaftssystem und seine Grundannahmen radikal hinterfragen.“

Dankbarkeit. Steindl-Rast empfahl die Übung der Dankbarkeit. Sie führe hin zum Demutssystem, zum System des Mutes zum Dienen. „Wenn wir dankbar sind, brauchen wir um soviel weniger“, meinte Steindl-Rast. Er griff auch die Wohlstands-Sorge auf: „Unbegrenztes Wachstum ist unmöglich.
Tritt im Körper unbegrenztes Wachstum auf, ist es Krebs.“ Der Benediktiner-Mönch schloss: „Die entscheidende Energiequelle ist die Dankbarkeit!“ Dann machte er den Teilnehmer/innen an der ÖVP-Zusammenkunft Mut: „Wenn Sie dankbar leben, leben Sie furchtlos.“ Vielleicht, so hoffte er, nehmen die Zuhörer/innen etwas mit von seinen Ausführungen, und wenn es der jesuanische Zuspruch ist: „Fürchte Dich nicht!“




Positionen

- „Alle Arten der Energieumwandlung sind von unerwünschten Nebenfolgen begleitet. Bei der Kernenergie sind diese gravierender als bei anderen Energietechniken. Aber auch die Nutzung regenerativer Energiequellen ist nicht frei von Risiken. Den nichtbrennbaren Brennstoff gibt es nicht!.“
Prof. Dr. Dr. Rafaela Hillerbrand

- „Bei einem Wachstum des Strombedarfs von 2 Prozent pro Jahr werden in etwa 10 Jahren alle nachhaltigen Potenziale von Wasserkraft, Wind und Photovoltaik erschöpft sein und Österreich müsste dann zur fossilen Stromerzeugung zurückkehren ... Österreich und Europa müssen sich daher von einer fossil orientierten Mehrbedarfsgesellschaft zu einer nachhaltig orientierten und sozialen Minderbedarfsgesellschaft umorientieren.“
Univ.-Prof. Dr. Günther Brauner
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