Soll die Schule ausbilden oder bilden? –Im Mittelpunkt der Schule stehen die Schüler/innen! – Darin stimmen Menschen in verantwortungsvollen Positionen überein, wenn sie auch verschiedene Begriffe verwenden.
„Menschenbildung und Entwicklung zu lebenstüchtigen Menschen steht in der Schule im Vordergrund. Fordern und fördern von Talenten sollen sich die Waage halten“, sagt etwa die Obfau des Christlichen Lehrervereins CLV Oberösterreich, Johanna Müller. Für Oberösterreichs Bildungs-Landesrätin Doris Hummer sind es „gerade die individuellen Talente und Begabungen der Menschen, die unser Land zukunftsfit machen“.
Bildung macht unruhig. Der Bildungsexperte der Arbeiterkammer OÖ, Fritz Bauer, arbeitet eine Gegenposition heraus: „Schule dient zweifelsfrei auch der Reproduktion der Gesellschaft, hoffentlich einer demokratischen, liberalen Gesellschaft, die den Jugendlichen ausreichend Freiraum einräumt, die weitere Entwicklung der Gesellschaft mitzugestalten, und sie auch dazu einlädt.“ Gebildete Menschen ließen sich nicht auf Dauer ruhig halten, weshalb es immer wieder zu Brüchen und Aufbegehren komme (z.B. Ägypten).
À la Carte lernen. Österreichs Wirtschaftskammerpräsident Christoph Leitl will eine Schule, die „talente- und begabungsorientiert ist und keine, die dienstrechts- und besoldungsorientiert ist“. Der Bildungsfahrplan dürfe kein Einheits-Menü sein, sondern ein À-la-Carte-Menü. Dann hätten die Menschen vielfältige Möglichkeiten, das, was ihnen Lust und Freude macht und ihren Begabungen entspricht, zu lernen und anzuwenden. „Wer etwas gerne lernt, lernt besser, hat mehr Erfolg im Beruf und findet eine bessere Sinn-erfüllung im Leben“, sagt Leitl.
Grenzen und Leistung. „Schule soll den Kindern die Chance geben, ihre Möglichkeiten bestens zu entfalten“, stellt Fritz Bauer für die Arbeiterkammer fest. Findet Schule mit der Zielrichtung Berufsbildung statt, soll sie gewiss auch ausbilden, allerdings dürfe die Persönlichkeitsbildung und die weitere Entwicklung des jungen Menschen davon nicht eingeschränkt werden. Bauer setzt fort: „Schule muss Werte anbieten, diese auch leben.“ Das ist nahe an der Position von Präsident Leitl, Landesrätin Hummer und CLV-Obfrau Müller. Hummer unterstreicht, dass beides gleich wichtig und ohnehin voneinander abhängig sei: die Vorbereitung auf das Berufsleben und die Vorbereitung auf eine aktive gesellschaftliche Teilhabe. Für Müller sind die Vermittlung von Wissen und von Sozialkompetenzen Schul-Aufgaben. Ganz wichtig ist ihr zu betonen, „dass Schule nur dann im Dienst der Schülerinnen und Schüler stehen kann, wenn Schüler, Eltern und Lehrer mit im Boot sind. Es können nicht alle Erziehungsaufgaben an die Schule delegiert werden. Schon das Elternhaus muss den Schülerinnen und Schülern vermitteln, dass es Grenzen gibt, dass Leistung von ihnen erwartet wird.“
Entspricht die Schule? Da gehen die Meinungen auseinander. Fritz Bauer sagt ein klares Nein! Die Schüler/innen werden zu wenig auf Beruf und Teilhabe am gesellschaftlichen Leben vorbereitet. Johanna Müller sagt ein klares Ja, vorausgesetzt, die Schülerinnen und Schüler sitzen in der richtigen Schule.
Schulstatistik
Überblick über das abgelaufene Schuljahr 2010/2011 für das Bundesland Oberösterreich:< - Etwa 205.000 Schüler/innen besuchten eine der - 1019 Schulen und wurden von - ungefähr 21.000 Lehrerinnen und Lehrern unterrichtet. - Etwa 7000 junge Menschen traten zur Matura an. Im ersten Anlauf schafften diese mehr als 90 Prozent. Fast alle anderen kommen im zweiten bzw. dritten Anlauf durch.
Um die Schulen zukunftsfit zu machen, hat das Land das Zertifikat „OÖ Schule Innovativ“ ins Leben gerufen, sagt Landesrätin Doris Hummer. - Das Zertifikat hat einen stärkenorientierten Unterricht im Blick. - Derzeit bereiten sich zu den schon zertifizierten 20 Schulen weitere 77 Schulen darauf vor. Das sind bereits 40 Prozent aller Hauptschulen, über 800 Klassen und 16.300 Schüler/innen.