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Blutkreislauf, Hirnströme, Stoffwechsel. Über diese ihre ureigenen Fachgebiete hinaus haben sich Mediziner und Pflegekräfte zunehmend mit anderen „Kreisläufen“ auseinanderzusetzen. Der elektronische Datenaustausch spielt eine immer größere Rolle.
Sechs Jahre ist es her – da wurden alle sozialversicherten Menschen in Österreich mit der „e-Card“ ausgestattet. Sie löste den Krankenschein ab. Kein Arztbesuch sollte seither ohne diese e-Card stattfinden. Um die Einführung gab es eine breite öffentliche Debatte. Noch viel mehr ließe sich auf dem Mikrochip auf der Karte speichern, aber das Gesetz verbietet es – noch.
Von der e-Card zu eHealth. Der elektronische Datenaustausch hat in der Medizin weit über die e-Card hinaus Einzug gehalten. Im Krankenhaus der Barmherzigen Schwestern in Linz gab es dazu am 6. Juli eine Informationsveranstaltung der Oö. Ordensspitäler Koordinations GmbH. „eHealth“ heißt der nüchterne Begriff. Er meint die Anwendung der elektronischen Vernetzung in der Gesundheitsversorgung. Arztpraxis, Krankenhaus, Pflegeheim, Apotheke und Krankenkasse werden vernetzt und tauschen ihre Daten aus. „Cybermedizin“ sagen andere dazu. Vom elektronischen Rezept – e-Medikation – bis zur elektronischen Gesundheitsakte – ELGA – wäre vieles möglich – und es wird bereits erprobt.
Versuchsregion in Oberösterreich. Die Bezirke Wels-Stadt und -Land, Grieskirchen und Eferding sind eine von drei Regionen in Österreich, in denen die medizinische Versorgung durch elektronische Vernetzung erprobt wird. So finden Ärztinnen und Ärzte – das Einverständnis der Patient/innen vorausgesetzt – am Computer vor, welche Medikamente eigentlich ein Patient nimmt. Das soll mehr Sicherheit für Patient/innen bringen, die über ihre eigenen Medikamente oft selber gar nicht so genau Bescheid wissen. Auch der Austausch von Ärzte-Befunden wird bereits geprobt. Der Informationsfluss zwischen Krankenhäusern und praktischen Ärztinnen und Ärzten soll so verbessert werden, ebenfalls zwischen Spitälern und Pflegeeinrichtungen, betont Mag. Raimund Kaplinger, Geschäftsführer am Klinikum Wels-Grieskirchen. In der „Testregion“ Wels-Grieskirchen-Eferding hat man aber auch Wert gelegt, die Zusammenarbeit aller im Gesundheitswesen Tätigen insgesamt zu verbessern. So wurden Zusammenkünfte von Spitals- und niedergelassenen Ärzten eingeführt, ebenso werden Veranstaltungen für die Bevölkerung zu Gesundheitsfragen organisiert.
Vernetzte Ordensspitäler. Eine bereits bundesweite elektronische Vernetzung gibt es unter den Spitälern der Vinzenz-Gruppe (Barmherzige Schwestern) und der Barmherzigen Brüder. Unter dem Titel „eGOR“ können die befugten Personen Einsicht in die Befunde nehmen. Mag. Gerhard Lanzenberger leitet diesen Bereich. Er erhofft sich deutliche Vereinfachungen. Der Zugriff auf die gesammelten medizinischen Daten von außen ist nicht möglich, versichert er.
Regelungsbedarf. „Wer darf was?“ – das ist auch für Ing. Wolfgang Hießl die Kernfrage. Die genauen gesetzlichen Regelungen stehen noch aus, meint der für das „eHealth-Management“ in Oberösterreich Beauftragte. Dass Systeme mit Gesundheitsdaten auch „gehackt“, also von Unbefugten eingesehen werden können, ist nicht auszuschließen. Doch auch bisher konnten Akten in falsche Hände kommen, wenn sie etwa bei einem Kopierer liegen blieben. Hießl sieht Oberösterreich beim Stand der Entwicklung international im Vorderfeld. „Wichtig ist, dass man das Gemeinwohl im Gesundheitswesen nicht aus den Augen verliert“, meint er. Deutlich wurde bei der Diskussion in Linz: Die Vernetzung in den Computersystemen funktioniert nur dann, wenn alles nach genau genormten Systemen verläuft. Neben Erleichterungen bedeutet das auch einen enormen Aufwand.
Patient/innen-Schutz. Es wird wohl sehr auf die Menschen hinter den Geräten ankommen, dass ihre Aufmerksamkeit den Kranken selbst gilt und erst in zweiter Linie dem, was im Computer über sie zu finden ist. Bei den noch ausstehenden gesetzlichen Regelungen geht es auch um Patient/innenschutz vor Geschäftsinteressen, etwa der Pharmaindustrie und anderer Unternehmen, die Interesse an Gesundheitsdaten haben könnten.