Positiv schätzen Experten ein, was das am 7. Juli 2011 vom Nationalrat beschlossene Ökostromgesetz bringt. Joachim Payr von der Energiewerkstatt Munderfing spricht von einem „lang ersehnten Glückstag“. Für Oberösterreichs Landesenergiebeauftragten DI Gerhard Dell „ist es erfreulich“!
Es werden ab 2012 deutlich mehr Mittel für Windenergie, Solarstrom und flüssige Biomasse und Biogas zur Verfügung gestellt. Auf den guten Mix der Ökostrom-Technologien kommt es an, betont DI Gerhard Dell vom Oö. Energiesparverband. Oberösterreich ist zum Beispiel nicht wie das Burgenland ein klassisches Windkraft-Land. Aber die Windkraft ist ein Steinchen im Ökostrom-Mosaik.
Windkraft. Oberösterreichs Landesregierung hat am 27. Juni einen Windkraft-Masterplan beschlossen. Derzeit gibt es in unserem Bundesland 23 größere Windkraftanlagen, die jährlich 40 Gigawattstunden Strom erzeugen. Das Windkraftpotenzial aber wäre deutlich höher. In der Vergangenheit gab es Probleme, Standorte für Windräder im Genehmigungsverfahren durchzubringen (etwa im Kobernaußerwald). Nun sollen mit dem Windkraft-Masterplan bis 2012 für künftige Genehmigungen von Windrädern Leitlinien erarbeitet werden: An welchen Standorten sind sie ökonomisch und ökologisch sinnvoll und stören das Landschaftsbild nicht?
Alte und neue Anträge. Das Ökostromgesetz lässt noch Anliegen offen. Experten sehen in der Deckelung der bereitgestellten Mittel ein Problem. Es könnte wieder so werden, dass Förderanträge nicht mehr abgearbeitet werden können, weil der Fördertopf ausgeschöpft ist. Zunächst aber können alte Anträge (es gibt eine Warteliste bis 2025) erledigt werden und für neue Anträge ist noch Finanzierungs-Luft. Daher rät Gerhard Dell privaten Energieverbrauchern: „Wenn Sie auf Ökostrom umsteigen wollen, tun Sie’s.“ Das gilt auch für die Entscheidung zu einer Photovoltaik-Anlage.
Wasserkraft. In Oberösterreich sind 700 Kleinwasserkraftwerke in Betrieb. Sie liefern jährlich ungefähr 7 Millionen kWh Ökostrom ins Netz. Über 250 dieser Kraftwerke wurden in den letzten Jahren revitalisiert, ihre Effizienz steigerte sich um 40 Prozent. Über den Bau von vier Speicherkraftwerken wird diskutiert. Sicher ist, so Dell: „In Naturschutzgebieten wird es keine Kraftwerke geben können.“
Strom ist nicht alles. Das Jahr 2009, so jüngst veröffentlichte Zahlen, hat einen deutlichen Rückgang der CO2-Emissionen in Oberösterreich gebracht. Unser Bundesland ist zwar immer noch vom Kyoto-Ziel entfernt, aber auf Hoffnung gebendem Weg. Ein schwerer Brocken ist der Verkehr. Die Emissionen sind hier seit 1990 um 58 Prozent mehr geworden. „Wir müssen uns die Frage stellen: Wie gestalten wir unsere Mobilität?“, sagt Gerhard Dell. Es sei schon die Frage, ob wir zum Beispiel mit einem Komfort-Geländewagen und 20-Liter-Verbrauch zum Passivhaus ins Mühlviertel fahren! Mehr als die Hälfte des Energiebedarfs von Haushalten geht für Heizen und Warmwasser auf. Daher ist bei Neubauten wichtig: Ein Niedrig-Energiehaus bauen und den Bau von Sonnenkollektoren überlegen. Häuser, die schon 20 Jahre alt sind, brauchen bis zu sechs Mal so viel Energie wie Neubauten. Laut Dell haben in Oberösterreich bis zu 250.000 Einfamilienhäuser Sanierungsbedarf! „Es ist wichtig, thermische Ökoenergie zu verwenden und nicht fossile Energieträger“, sagt Dell.
- Bis 2020 sollen zusätzliche Anlage-Kapazitäten erreicht und so auch Atomstromimporte durch im Land produzierten Ökostrom abgelöst werden. Aus Wasserkraft soll um 1000 Megawatt MW mehr Strom erzeugt werden; aus Windkraft um 2000 MW mehr; durch Photovoltaik um 1000 MW mehr und durch Biomasse und Biogas um 200 MW mehr.
- Für den Ausbau der Ökostromanlagen werden die jährlichen Finanzierungs-Beiträge auf 50 Millionen Euro erhöht. Für den Neubau von Photovoltaik werden die Mittel fast vervierfacht und auf acht Millionen Euro angehoben.
- „Oberösterreich kann seinen Photovoltaik-Anteil bis 2015 verneunfachen“, sagt Umwelt-Landesrat Rudi Anschober.