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Die heimische Natur spielt alle Stücke

Ausgabe: 2011/29, Natur, Naturschauspiel, Heimat, Bewusstseinsbildung, Projekte, Tourismus
22.07.2011
- Dagmar Giglleitner
Das Meer, die Wüste, der tropische Urwald: Der Reiz des Unbekannten macht uns glauben, die schönsten Gegenden lägen auf der anderen Seite der Welt. Dass dem nicht so ist, zeigt die Initiative „Naturschauspiel“, die unsere vielfältige Heimat und deren Schutz in den Mittelpunkt stellt.

Österreich ist in anderen Ländern unter anderem ein Synonym für zwei Dinge: Mozart und die wunderbare Landschaft. Auf Ersteren sind auch die Einheimischen stolz, bei Zweiterem kühlt die Begeisterung bereits merklich ab. Oft richten wir sehnsüchtig den Blick in die Ferne und träumen von fremden Ländern und deren atemberaubenden Naturschönheiten – und übersehen dabei so manche Kostbarkeit, die direkt vor unserer Nase liegt.

Heimische Naturwunder. Dass es gerade in Oberösterreich mit seinen unterschiedlichen Landschaften – vom Böhmerwald bis zum Dachstein – viel zu entdecken gibt, ist vor allem Einheimischen wenig bewusst.
Um das zu ändern, startete das Land Oberösterreich 2011 bereits zum zweiten Mal „Naturschauspiel“, ein Naturvermittlungsprojekt, das die Möglichkeit bietet, die schönsten Gegenden im Bundesland zu erforschen. Ein besonderes Augenmerk wird auf die Natur- und Landschaftsschutzgebiete gelegt, die einen großen Teil dazu beitragen, die Artenvielfalt der Tier- und Pflanzenwelt, das saubere Wasser und die gute Luftqualität zu bewahren – Vorzüge, die viele für selbstverständlich halten. Durch „Naturschauspiel“ soll die Kostbarkeit ökologisch intakter Gebiete einem breiteren Publikum vermittelt werden.

Schützen versus Nützen? Obwohl Umfragen besagen, dass die Oberösterreicher dem Naturschutz grundsätzlich positiv gegenüberstehen und sich mehr Schutzgebiete wünschen, sind derzeit nur etwa 7 % der Landesfläche als solche ausgewiesen. Die Gründe für die eher bescheidene Zahl sind vielfältig, hauptsächlich jedoch durch einen Interessenskonflikt von Wirtschaft, Tourismus und Naturschutz bedingt. Doch genau diese drei gegensätzlichen Zugänge versucht „Naturschauspiel“ unter einen Hut zu bringen. So wurde das Programm nach den Prinzipien des sanften Tourismus konzipiert und setzt einen bewussten Kontrapunkt zu Event-Tourismus und Fernreisen mit Rundum-Versorgung. Man versucht, die Gegebenheiten der Schauplätze möglichst wenig zu verändern, sondern die Natur so intensiv und natürlich wie möglich zu erleben. Interessant ist, dass auch oder gerade in urbanen Gegenden dem Thema „Natur“ große Aufmerksamkeit geschenkt wird, was zeigt, wie wichtig ein gelingendes Wechselspiel zwischen Mensch und Natur, zwischen Nützen und Schützen, ist. Neben bekannten Naturschutzgebieten wie Almsee, Traunstein oder Nationalpark Kalkalpen werden Schauplätze vorgestellt, wo man eine artenreiche Flora und Fauna weniger erwarten würde, wie zum Beispiel im Linzer Industriegebiet oder in den Traun-Donau-Auen, die zeigen, dass der Dschungel auch nahe einer Großstadt existieren kann.
Bei der Planung und Umsetzung von „Naturschauspiel“ wurde auf die Zusammenarbeit mit regionalen Partnern besonders Wert gelegt: Viele der Angebote wurden auf die Fahrpläne der öffentlichen Verkehrsmittel abgestimmt und die lokalen Tourismusverbände, Gastronomiebetriebe und Hotellerie werden in die Projekte eingebunden.

Bewusstseinsbildung. Das Motto der Initiative lautet „Natur verstehen durch Natur erleben“. Mit einer umfangreichen Öffentlichkeitsarbeit und Veranstaltungen, die den Bogen von der Theorie im Museum zur Praxis in der Natur spannen, soll die Bevölkerung für einen respektvollen Umgang mit der Natur sensibilisiert werden, um so die Naturschutzziele im Bewusstsein jedes Einzelnen zu verankern. Zwar will man in den nächsten Jahren auch die Naturschutzgebiete erweitern, doch ist es nicht Sinn der Sache, diese zu verbarrikadieren. Schließlich kann man niemanden zum Naturschutz zwingen.
Projektleiter und -Initiator Dipl.-Ing. Johannes Kunisch bringt es auf den Punkt: „Das Ziel ist, dass sich die Leute für die Natur interessieren und vielleicht irgendwann wieder einmal so viele heimische Tiere und Pflanzen kennen, wie Automarken.“

Zum Thema

„Naturschauspiel“ ist eine Initiative der Naturschutzabteilung des Landes OÖ, die in Zusam-menarbeit mit Oberösterreich Tourismus und den Oberösterreichischen Landesmuseen entstanden ist. Das Programm (ent)führt Kinder, Erwachsene und Senioren in die Natur und weckt durch die vielfältigen Programmpunkte Verständnis für die Anliegen des Naturschutzes.17 Schauplätze in ganz Ober-österreich sind die Bühne für mehr als 80 Themenführungen, die alle im Dialog mit der Dauerausstellung NATUR OBERÖSTERREICH im Linzer Schlossmuseum stehen.Die Angebote verbinden Abenteuer, Wissensvermittlung und Naturerfahrung und versuchen bereits mit den Titeln die unterschiedlichsten Besucher anzulocken: „Rauschbeeren und Pfeifengras“, „Rittersupp’n und Bauernbrot“, „Pflanzengift und Zauberkraut“, „Liebesbäume und Saustallbretter“, „Climate Change“, u.v.m.

- Infos und Anmeldung auf www.naturschauspiel.at. Personen ohne Internetzugang sowie Gruppen und Schulklassen wenden sich direkt an die Naturvermittler oder an das Informationsbüro des IFAU (Institut für Angewandte Umweltbildung), Tel. 07252/811 99-0.î
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