„Die Hoffnung stirbt zuletzt.“ – So lautete ein Titel der jüngsten Straßenzeitung „Kupfermuckn“. Kaum zu hoffen wagten aber die „Kupfermuckn“-Leute, als weltweit beste Straßenzeitung in der Kategorie „Bestes Cover“ ausgezeichnet zu werden. Die Freude am 22. Juli war dann entsprechend groß.
In Glasgow nahmen an diesem 22. Juli die Geschäftsführer der Arge für Obdachlose, Heinz Zauner, der auch Chefredakteur der „Kupfermuckn“ ist, und Michael Mooslechner, den Preis entgegen. Ihre Zeitung hat sich mit dem Titelbild „Sozialleistungs-Nacktscanner“ unter anderem gegen Straßenzeitungen aus Serbien, Südafrika und den Philippinen durchgesetzt.
Monat für Monat 20.000 Exemplare. Die „Kupfermuckn“ ist Österreichs zweitgrößte Straßenzeitung und erhält sich fast zur Gänze selber! Vor 15 Jahren begann ihre Erfolgsgeschichte. Mittlerweile hat die zehn Mal im Jahr erscheinende Straßenzeitung eine Auflage von 20.000 Exemplaren – bei den zwei Doppelnummern sogar mehr als 30.000. Die „Kupfermuckn“ ist eines der Tätigkeitsfelder der Arge für Obdachlose, die in Linz auch den Trödlerladen führt sowie Hilfe zum Wohnen anbietet. Im Mühlviertel ist die Arge mit der Delogierungsverhinderung betraut.
Schreiben aus der Betroffenheit. 1996 hat die Arge für Obdachlose eine Schreibwerkstatt für Menschen am sozialen Rand angeboten. Die Ergebnisse wurden als Zeitung im Linzer Zentrum verteilt. Seither wird (zunächst vierteljährlich, seit 2002 monatlich) die „Kupfermuckn“ produziert und durch mittlerweile etwa 140 Verkäufer/innen in Linz, Wels und Steyr verkauft. – „Kupfermuckn“ nennen Wohnungslose einen Unterschlupf-Schlafplatz. – Die Gruppe der Schlafplatz-Unterschlüpfer wird größer. Dies beobachten die Obdachlosen-Streetworker des Sozialvereins B 37 in Linz – heuer im Juni wussten sie von 86 Erwachsenen (80% Männer), die akut wohnungslos waren, um etwa ein Viertel mehr als in den Sommermonaten der Vorjahre!
Wärmen, arbeiten, wohnen. Für wohnungslose Menschen gibt es in Linz mehrere Einrichtungen: Die Caritas Wärmestube, das Off’n-Stüberl der Diakonie und das Vinzenzstüberl der Barmherzigen Schwestern wärmen, sättigen, helfen im Alltag. Das „B37“ betreut obdachlose Menschen (etwa psychisch kranke bzw. alkoholkranke obdachlose Menschen) und sorgt für Wohnmöglichkeiten (Notschlafstelle und Psychosoziales Wohnheim mit 123 Wohnplätzen). Die Arge für Obdachlose hilft beim Wohnen und durch Beschäftigung. So fanden 2010 im Trödlerladen mehr als 320 Menschen Beschäftigung und einen Zuverdienst. In der Wohnbetreuung für wohnungslose Männer und im Projekt für Frauen „Arge SIE“ wurden fast 400 Menschen unterstützt. Das Projekt REWO betreute 350 Menschen in 160 Haushalten im Rahmen der Delogierungsprävention Mühlviertel. Die Kupfermuckn bietet 150 Menschen ein Zusatzeinkommen, als Redaktions-Mitarbeiter/innen und hauptsächlich als Straßenverkäufer/innen.
Kupfermuckn
Unter dem Motto „Betroffene machen Zeitung“ schreiben 30 sozial benachteiligte Menschen an der Straßenzeitung mit. Sie erhalten dafür ein kleines Fixum und pro Beitrag 15 Euro, maximal für drei Beiträge (unabhängig von der Veröffentlichung). Bis zu 20 Betroffene nehmen an den wöchentlichen Redaktionssitzungen teil. „Wir wollen, dass nicht wenige viel schreiben, sondern dass viele schreiben“, sagt Heinz Zauner. Die Kolporteure bekommen pro verkaufter Zeitung einen Euro (Verkaufspreis 2 Euro). Sie können maximal 340 Zeitungen im Monat verkaufen (wegen der sozialversicherungsrechtlichen Geringfügigkeitsgrenze!)