Unter schwierigsten Bedingungen wurde im September 2007 von den Schwestern Salvatorianerinnen in Zusammenarbeit mit der Bethlehem Universität in Palästina die erste Hochschule für Säuglingskrankenpflege eröffnet. Vier Jahre später, im Juli 2011, erhalten die Studierenden des ersten Jahrgangs ihre Diplome. „Wir feiern ein Wunder. Eine Vision, an die am Anfang nur einige wenige Menschen geglaubt haben, wird heute Wirklichkeit“, sagte Sr. Hildegard Enzenhofer von den Salvatorianerinnen bei ihrer Festrede anlässlich der Diplomverleihung an die Absolventen des ersten Kurses der Krankenpflegeschule. Zu Recht, denn die Anfänge der „Faculty of Nursing and Health Science“ waren alles andere als einfach: Fehlendes Geld, keine Lehrpläne, fehlende Genehmigungen. Doch allen Widrigkeiten zum Trotz herrscht mittlerweile ein reger Schulbetrieb. Mussten sich die heutigen Absolvent/innen noch in einem Internetcafé einschreiben, weil das Gebäude noch nicht fertig war, so steht jetzt den rund 70 Student/innen ein gut ausgebauter Pflege-, Biologie- und Computerbereich sowie eine Bibliothek zur Verfügung. Das heißt aber nicht, dass es keine Schwierigkeiten mehr gibt. „Jedes Jahr ist die Begleitung von den jungen Frauen ins Studentenleben eine Herausforderung. Es ist zum Beispiel nicht normal, dass eine Frau um halb fünf Uhr morgens auf der Straße steht, um zu ihrem Praktikum nach Jerusalem zu gehen“, erklärt Sr. Hildegard, die seit 2001 in Palästina tätig ist. Eine große Hürde ist für viele die Unterrichtssprache Englisch. Da es keine Fachliteratur auf Arabisch gibt, die jungen Studierenden aber kaum Englischkenntnisse mitbringen, bestehen die ersten vier Monate des Studiums fast nur aus einem intensiven Englischunterricht.
Hoffnungsvolle Zukunft. Aus den schüchternen Studienanfängerinnen und -anfängern, die sich am Anfang kaum anzuschauen wagten, weil in der tief islamischen Gegend normalerweise eine strikte Geschlechtertrennung üblich ist, wurden im Laufe ihrer Ausbildung selbstbewusste junge Frauen und Männer mit hoffnungsvollen Plänen für die Zukunft. Am Beispiel der Pflegeschule ist sehr gut zu sehen, dass Bildung die nachhaltigste Investition ist: Die meisten der Absolvent/innen stammen aus sehr armen Familien. Für ein Drittel wurde das Studium zur Gänze finanziert und fast jeder bekam Unterstützung. Mittlerweile haben aber viele der Studienabgänger/innen schon zu arbeiten begonnen und verdienen ihr eigenes Geld. Ganze Familie konnten so der Armutsspirale entfliehen. Andere wollen nach dem Abschluss ihres Bachelors noch den Master absolvieren, für den sie an einer ausländischen Universität, in den umliegenden arabischen Ländern oder Amerika, studieren müssten.