Wenn in einer Pfarre – wie aktuell in Kopfing – Konflikte zwischen Pfarrer und Teilen der Pfarrgemeinde aufbrechen, wird die Debatte rasch auf die persönliche Ebene verlagert, wo Aussage gegen Aussage, vehemente Befürworter gegen Kritiker steht. Die unverzichtbaren Standards, die eine qualitätsvolle Pfarrseelsorge ausmachen, werden aber kaum thematisiert.
Im Vorjahr war es die Pfarre Wels-Vogelweide, im Frühjahr Losenstein und nun ist es Kopfing: In jeder dieser Pfarren entstanden Gruppen für und gegen den Pfarrer. Die Auseinandersetzungen sorgten stets für große – mediale – Öffentlichkeit. Argumente gehen hin und her: Die einen mutmaßen, dass die Priester nur deswegen bedrängt werden, weil sie die Lehre der Kirche vertreten. Die anderen orten häufig einen Fundamentalismus, der der biblischen Botschaft widerspricht.
Im Fall von Kopfing. Im aktuellen Fall von Kopfing haben sich 2009 bereits 431 Kopfinger mit einem Protestschreiben gegen den Pfarrer an den Bischof gewandt. Der Pfarrer spalte durch seine radikale Spiritualität die Gemeinde. In Medien ist von Aussagen des Pfarrers die Rede, dass Kopfing seit Jahrzehnten eine Glaubenswüste sei, dass das Schwert des Glaubens wichtiger sei als der Friede und die Nachkommen von unehelichen Kindern bis in die dritte Generation verdammt seien. Gleichzeitig würde sich der Pfarrgemeinderat aber für den Pfarrer aussprechen, so die Stellungnahme der Diözese. Im Herbst ist jedenfalls ein runder Tisch mit Bischof Ludwig Schwarz geplant.
Zurück bleiben Scherben. So sehr man – nicht nur auf Kopfing bezogen – die Positionen irgendwie verstehen will, als Außenstehender bleibt man zumeist ratlos zurück. Die Wirkung dieser Konflikte auf der Kirche fernstehende Menschen ist verheerend. Innerhalb der Pfarrgemeinde ebenso, denn die Debatten führen häufig zu zerstörtem Vertrauen. Unverständlicherweise kommt kaum die Rede auf Kriterien, die eine qualitätsvolle Seelsorge ausmachen. Sie könnten eine Hilfe sein, Konflikte zu klären: Was sind Standards in der Pfarrseelsorge, auf die Gläubige ein Recht haben, dass sie eingehalten werden? – den Inhalt betreffend und die Art und Weise der Vermittlung? Und worin besteht der Auftrag des Pfarrers, wenn er sich katholischer Priester nennen will?
Pfarrer muss verbindend sein. Erwin Kalteis, seit drei Jahren Pfarrer in Andorf, Provisor in Enzenkirchen und ab September 2011 Dechant des Dekanats Andorf, zu dem die Pfarre Kopfing gehört: „Der Pfarrer muss bemüht sein, die biblische Botschaft für die heutige Zeit ansprechend zu vermitteln“, beschreibt Pfarrer Kalteis qualitätsvolle Seelsorge. Dabei legt der 43-jährige auch auf die Art der Vermittlung großen Wert. „Ich möchte für die Gläubigen in der Pfarre so dasein, dass man einen Großteil von ihnen erreicht“. Ein Priester muss verbindend und integrierend sein, unterstreicht er. Auch das Service darf nicht zu kurz kommen. Kalteis: „Ob das das Ideal von Kirche ist, ist nicht die Frage, aber die Menschen sind heute qualitätsvolles Service gewöhnt. Das fängt beim Gemeindeamt an und umfasst alle Lebensbereiche. Das Niveau der Dienstleistungen, das heute üblich ist, möchte ich auch in der Pfarre bieten.“
Interview
Mit dem will ich reden
„Wenn jemand sagt: ,Mit diesem Pfarrer oder mit seinen Mitarbeiter/innen möchte ich einmal reden’, ist das ein Kriterium für Qualität in der Seelsorge“, betont Wilhelm Zauner. Der Linzer emeritierte Pastoraltheologe legt Wert auf die Persönlichkeit des Priesters und aller Seelsorger/innen: „Wenn ich Jesus nachfolgen will, brauche ich Begleitung. Da bin ich froh, wenn ich mit jemanden mitgehen kann.“ Jesus hat auch gleich Gruppen gebildet, erinnert Zauner. „Ein Pfarrer muss Menschen miteinander in Verbindung bringen können, sodass sie miteinander und mit ihm gerne Jesus nachfolgen“.
Qualitätsvolle Seelsorge heißt für Prof. Zauner: „Tut alles, was die Menschen auf ihrem Weg zu sich selbst, zu den Mitmenschen und zu Gott brauchen.“
Prof. Zauner: „Aufgrund meines Alters bin ich viel zu Hause. Ich kriege Gott sei Dank viel Besuch und ich merke, dass meine schönste seelsorgerliche Tätigkeit im Zuhören besteht. “
„Die Kirche hat es auch deswegen so schwer, weil das Material, aus dem sie gemacht ist, wir selbst sind. Darum sollten wir verständnisvoll mit der Kirche umgehen“, meint Prof. Zauner – und lacht herzhaft.