Der 100-jährige Kalender kündigte heuer für den 1. bis 7. August Regentage an. Am 3. August aber, als sich der Meteorologe Mag. Wolfgang Traunmüller von Blue Sky in Attnang für das Recherchegespräch Zeit nimmt, ist es warm und sonnig.
Für den „100-jährigen Kalender“, der eigentlich ein 7-jähriger ist, legte im 17. Jahrhundert der Zisterzienserabt Dr. Mauritius Knauer in Oberfranken den Grundstein. Er ging davon aus, dass Sterne, Planeten und Mond das Wetter beeinflussen. Zwischen 1652 und 1658 zeichnete er das Wetter genau auf. Sieben Beobachtungsjahre würden genügen, da sich die Witterungsabläufe nach Knauers Meinung im Rhythmus von sieben Jahren wiederholen.
Langfristige Prognosen. Keine Aussagekraft hat für den Meteorologen Traunmüller der „100-jährige Kalender“. Wetterprognosen, die länger als sechs Tage nach vorne blicken, haben eher einen unterhaltenden Wert. Wie auch die Ende März 2011 von der Zentralanstalt für Meteorologie und Geodynamik in Wien angekündigten sonnigen Aussichten für Juli und August 2011, wonach sich „die Freibäder über Ansturm freuen können“.
Erderwärmung. „Will man als Meteorologe in die Zeitung kommen, erstellt man Langzeitprognosen“, lächelt Traunmüller. Aber auch er hat es schon in die Medien geschafft – etwa durch eine Pressekonferenz an der Seite von Landesrat Anschober, in der es um die Erderwärmung ging. – Sie ist für ihn und mindestens 19 von 20 Meteorolgen keine Frage: Der Mensch trägt zum Klimawandel bei. In den letzten zehn Jahren waren ca. 70 Monate zu warm! Aber, das zeigen jahrhunderte lange Wetteraufzeichnungen und wissenschaftliche Forschungsergebnisse: Das Wetter hat seit Jahrtausenden kalte und warme Perioden.
Stabil und instabil. Der Klimawandel, so hat man das Gefühl, geht aber heuer eher in die andere Richtung: Verregneter, kühler Sommer. Noch ein Gefühl gibt es: Wetterfrösche sagen schöneres Wetter vorher und korrigieren die Prognose erst, nachdem schlechteres Wetter schon eingetroffen ist. Bei Tiefdruckwetterlagen (Islandtief) ist es schwieriger, Vorhersagen zu treffen, weist Traunmüller auf das chaotische System Atmosphäre hin. Hochdrucklagen (Azorenhoch) sind für die „Wetterfrösche“ leichter zu berechnen, weil sie stabiler sind. Vielleicht sind einmal Zehn- Tages-Prognosen mit einer Trefferquote von mehr als 80 Prozent erreichbar.
Punktgenau vorhersagen. Man kann auf dem Handy, im Internet und im Teletext Wettervorhersagen abrufen (oft von amerikanischen Diensten). „Vergleicht man die Prognosen“, sagt Traunmüller, stellt man fest, dass es teilweise große Unterschiede gibt. „Blue Sky Wetteranalysen“ lebt vom Verkauf möglichst treffsicherer und zielgenauer Prognosen. Kunden sind u.a. Winterdienste, Segelflieger, Landwirte oder die Energiewirtschaft.
Kaltwetter in Sicht. Am 3. August zeigten viele Prognosemodelle auf Traunmüllers Computer für den 9./10. August einen Kaltwetter-Einbruch. Wenn Sie diese Zeitung lesen, können Sie rückwirkend beurteilen, ob die Meteorologen Recht gehabt hätten, hätten sie die miese Wetterprognose für sechs, sieben Tage im Voraus gewagt.
Militärisches und Wirtschafts-Interesse. Sechs der zehn größten Computer dieser Welt stehen im Dienst der Meteorologie. So ist die Wetter-Wissenschaft dem ursprünglich militärischen Wurzelgrund entwachsen und ein Wirtschafts-Anliegen geworden. Doch nicht alles kann die Wissenschaft erklären; viele Wechsel- und Rückkoppelungseffekte liegen noch im Dunkeln. Auch warum Tiere vom Wetter eine frühe Ahnung haben, ist ungeklärt. Sicher ist, die Menschen können das Wetter nicht machen. „Dafür ist der Mensch zu klein“, sagt Wolfgang Traunmüller. Kleinräumige Beeinflussungen sind möglich (etwa eine Hagelkörner-Zerkleinerung durch Silberjodid-Injektionen in die Hagelwolke von Flugzeugen aus oder mit Schussvorrichtungen).