"Schweigen", der Roman von Shusaku Endo, ist die Vorlage für den Film „Silence“ von Martin Scorsese.
Ausgabe: 10/2017
07.03.2017
- Matthäus Fellinger
Japan, im 17. Jahrhundert. Nach Jahrzehnten, in denen Christen im Lande gern gelitten waren, folgte eine immer bitterer werdende Verfolgung ihrer jungen Gemeinden. Der japanische Autor Shusaku Endo hat darum einen faszinierenden Roman geschrieben. Zwei Jesuiten – Sebastião Rodrigues und Francisco Garrpe – brechen aus Portugal nach Japan auf. Ihr Idol, Lehrer Ferreira, Vorbild aller Jesuitenmissionare, soll unter der grausamen Folter seinen Glauben widerrufen haben – nach 33 Jahren Missionsarbeit.
Unter dem Fürsten von Chikugo, Inoue, hatte die Verfolgung ihren Höhepunkt erreicht. Sein Ziel: Der nach Japan verpflanzte Baum des europäischen Christentums soll von seiner Wurzel im Mutterland gekappt werden, dann würde der Rest auf japanischem Boden schon verfaulen. Shusaku Endo geht es nicht nur um die Verfolgungsgeschichte selbst, sondern auch um die Frage, ob das Christentum überhaupt das Recht hat, sich in eine fremde Kultur einzupflanzen. Shusaku Endo thematisiert dies im Streitgespräch zwischen dem Fürsten und seinem Gefangenen Rodrigues. Und: Es geht um das Schweigen Gottes, der die Seinen in den Folterkammern nicht zu hören scheint.
Shusaku Endo, Schweigen. Der Roman zum Film „Silence“ von Martin Scorsese. Aus dem Japanischen von Ruth Linhart. Septime-Verlag, Wien 2015, € 23,50.