Trendig sieht es aus, das Zimmer: ein weißes Bett, eine aufgeschlagene Bettdecke, ein Nachttisch, alles schön in Weiß gehalten. Auf einem Kästchen steht ein Flachbildschirm, der ein immer wiederkehrendes Ping-Pong-Spiel zeigt. Im weißen Regal ein paar Bücher, ein Kücken sitzt auf einem Lexikon. Ein roter Lehnsessel steht mittig vor dem Fernseher. An der Wand Bilder, historische und neue, ein Lampenschirm, ein Kleiderständer zum Hängen. Der leuchtend gelbe Teppich gibt dem Raum einen frischen Anstrich. Alles ist gut.
Der Putz blättert sichtbar von den Wänden. Das Zimmer hat kein Fenster. Es ist ruhig hier. Totenstill. Kein Mensch weit und breit. Der Schein trügt. Alles ist gut? – Was hier gezeigt wird, ist ein ehemaliger Aufbahrungsraum. Ein unterirdischer Raum, der zur Krypta der Ursulinenkirche gehört. Seit 30 Jahren lädt das Forum St. Severin Künstler/innen ein, von Aschermittwoch bis zum Karfreitag zum Thema „Memento mori – Gedenke des Todes“ den Kirchenraum künstlerisch zu gestalten. Der Künstler Adam Ulen hat in der Krypta eine Installation zum Thema „Alles ist gut“ geschaffen. Er arbeitet in Anlehnung an die Pop-Art mit Alltagsgegenständen, die er mit Bedeutungen auflädt und die gleichzeitig absurd wirken. „Alles ist gut“ ist ein Stillleben aus dem 21. Jahrhundert, die Vergänglichkeit – die „Vanitas“ – ist spürbar. Die Installation zeigt eine trügerische Idylle. Eine zerbrechliche Alltagswelt, die angesichts des Todes existenzielle Fragen aufwirft, aber keine vorschnellen Antworten gibt.
Künstlergespräch am Freitag, 17. März 2017, 18 Uhr. Öffnungszeiten Krypta: Freitag, 16 bis 18.30 Uhr und Sonntag nach der Messe (Beginn: 20 Uhr), geöffnet bis 14. April 2017.