Pfarre Wels-Hl. Familie sucht den Kontakt zu allen, die in der Pfarre neu sind
Ausgabe: 2012/07, Hemmschwelle, Neuzugezogene, Seelsorge, Kontaktaufnahme, Pfarrgebiet, Kontakt
16.02.2012
- Paul Stütz
In der Pfarre Wels-Heilige Familie (Vogelweide) ist das Bemühen um die Neuzugezogenen fixer Bestandteil der Seelsorge. Obwohl sich der Erfolg in Zahlen schwer messen lässt, ist sich Diakon Josef Bernögger sicher, dass allein die Kontaktaufnahme eine hohe Bedeutung hat.
„In eine Pfarre reinkommen ist sehr schwierig“, sagt Josef Bernögger: „Die Leute, die eigentlich Anschluss suchen, wissen nicht, wen sie anreden sollen.“ Der 73-jährige Diakon will den Neuzugezogenen zumindest diesen Erstkontakt leichter machen. Mit seinem sechsköpfigen Team vom Fachausschuss Neuzugezogene bemüht sich der pensionierte Hauptschullehrer permanent um die „Neuen“ in dem Pfarrgebiet von Wels-Heilige Familie (Vogelweide). Rund 6200 Katholiken leben hier, der Wechsel bei den Bewohner/innen ist relativ hoch. Alle zwei Monate gehen sie zu den Leuten, die es nach Wels-Vogelweide verschlagen hat. Im Schnitt 40 bis 50 Haushalte sind da zu besuchen. Fast immer abends oder am Wochenende. „Wir schauen, dass wir wirklich alle persönlich antreffen und mit ihnen von Angesicht zu Angesicht reden können.“ Zwischen Tür und Angel will der Diakon auf die katholische Kirche vor Ort neugierig machen und so helfen, manche Hemmschwelle zu überwinden.
Mittun oder einfach Dabei-sein. Persönlich überreicht werden Infos über Pfarrveranstaltungen und ein Willkommens-Brief. Dort heißt es etwa: „Unsere Gottesdienste sowie soziale und gesellschaftliche Tätigkeiten laden zum ‚Mittun‘ – oder einfach nur ‚Dabei-sein‘ ein.“ Pfarrevents wie ein Wandertag, die Nikolausaktion oder der Pfarrball sollen eine besonders niederschwellige Gelegenheit dazu bieten. Die Reaktionen der Menschen auf den überraschenden Besuch aus der Pfarre sind naturgemäß sehr unterschiedlich. Bei Weitem nicht jeder will etwas von der Stadtpfarre wissen. „Manche schimpfen auf uns ein, die meisten bedanken sich aber. Es gibt auch Leute, die unsere Kontaktaufnahme nutzen, um sich nach den besten Schulen und Kindergärten zu erkundigen oder von persönlichen Problemen zu erzählen“, erzählt Josef Bernögger.
Jahrzehntelanges Bemühen. Bereits seit 1974 gibt es in der Pfarre Wels-Heilige Familie den Fachausschuss Neuzugezogene. In den Sechziger und Siebziger Jahren herrschte im Pfarrgebiet eine besonders rege Bautätigkeit. Der Stadtteil wuchs schnell auf 15.000 Einwohner an. „Da hat man sich überlegt, wie man an die Menschen herankommen kann“, sagt Bernögger, der sich seit über 35 Jahren für die „Neuen“ engagiert. Eine Arbeit, die er als „selbstverständlich“ bezeichnet. Auch wenn der Erfolg nicht so leicht in Zahlen messbar ist, der 73-Jährige ist sich sicher, dass allein eine positive Kontaktaufnahme eine hohe Bedeutung hat. „Einige junge Familien haben so auf jeden Fall leichter zu uns gefunden. Und manches in der Pfarre hätte ohne diese Arbeit nie so entstehen können.“