Eine Afrikanerin, die in den Pfarrgemeinderat will
Schaut man in den Pfarrblättern die Kandidatenlisten für die Pfarrgemeinderats-Wahl durch, findet sich in Linz-St. Franziskus eine Besonderheit: Mit Monique Muhayimana stellt sich eine Afrikanerin der Wahl.
Der Kirchenbesuch mit den Eltern und den – neun – Geschwistern oder das gemeinsame tägliche Gebet vor dem Essen und am Abend, war für Monique Muhayimana in ihrer Heimat Ruanda selbstverständlich. Seit sie und die gesamte Familie 1994 vor den Massakern zwischen Hutu und Tutsi flüchten musste, hat sie viel verloren, der Glaube aber ist ihr geblieben. Und die Fröhlichkeit. Ein ansteckendes Lachen gehört zum Markenzeichen der heute 41-jährigen Frau, Mutter von drei Kindern, Witwe seit 2006, Magistra der Wirtschaftswissenschaften, Teilzeit bei der Post beschäftigt. Zusätzlich hat sie sich als Wirtin mit einem kleinen afrikanischen Lokal selbstständig gemacht.
Glaube gehört dazu. Muhayimanas Leben war und ist nicht einfach. Ihr Mann starb 2006. Traumatisiert durch den schrecklichen Bürgerkrieg war ihm nicht zu helfen, sagt sie knapp. Die erste Zeit in Österreich empfand sie als besonders hart, obwohl ihre Schwester in Linz wohnte und studierte. Ein Jahr lang hat sie nicht Deutsch gesprochen. Und dazu kam das Gefühl der Einsamkeit. „Ich habe gelitten, allein als Kleinfamilie zu wohnen. Wir Afrikaner haben das große Befürfnis nach großer Gemeinschaft.“ Sie engagiert sich darum in Vereinen, in denen afrikanische Gemeinschaft und Kultur gepflegt werden. Der Glaube ist Teil der Kultur und für Muhayimana selbstverständlich geblieben. Von Anfang an hat sie – manchmal dank der Hilfe Einheimischer – Kontakt zu ihren Wohnpfarren gefunden: zur Stadtpfarre Urfahr, dann zu St. Quirinus/Kleinmünchen und nun zu Linz-St. Franziskus, wo sie seit acht Jahren lebt.
Wärme zieht an. St. Franziskus erlebt sie sehr offen und wenn es darum geht, für Treffen afrikanischer Gruppen den Pfarrsaal zu mieten, als völlig unkompliziert. Ohne Bürokratie, unkompliziert. Das gefällt ihr. Die Atmosphäre in der Kirche ist natürlich in Österreich anders als in Ruanda. „Nicht so warm wie bei uns.“ Aber sie erlebt sich in St. Franziskus angenommen. „Ich teile mit den Menschen hier meinen Glauben und ich fühle mich auch verantwortlich, meinen Beitrag für die Kirche hier zu leisten.“ Darum hat sie PGR-Obmann Gottfried Ilming zugesagt, sich als Kandidatin für die PGR-Wahl zur Verfügung zu stellen. „Mit meinen beschränkten Möglichkeiten möchte ich zu einer lebendigen, offenen und freundlichen Kirche beitragen“, sagt sie. Und zu einer Kirche, in der das Lachen seinen Platz hat.