Waldhausener ließen mit dem Röntgenblick ihre Pfarrkirche durchleuchten
Von 1609 bis 1612 wurde die Waldhausener Pfarrkirche erweitert und erhielt ihre heutige Gestalt. Zum 400-Jahr-Jubiläum ließ die Pfarre das Kirchengebäude mit den modernsten Methoden untersuchen und hat nun eine einzigartige Dokumentation der Baugeschichte zur Verfügung.
Ausgabe: 2012/24, Pfarrkirche, Waldhausen, Wögerer, Hermann Portenreuther, Geburtstag
13.06.2012
- Josef Wallner
Dendrochronologie, Röntgen, Photogrammetrie, Thermolumineszenz – Thomas Schmid hat seinen Auftrag ernst genommen. Der Student an der Technischen Universiät Wien erforschte – im Rahmen seiner Diplomarbeit – die einzelnen Bauphasen der Pfarrkirche. Ein erster Schritt war die präzise Vermessung des Kircheninneren. Dieses Ergebnis freut Pfarrer Karl Wögerer besonders: Er hält einen exakten, millimetergenauen Plan der Kirche in Händen. Die Vermessung war Ausgangspunkt für die photogrammetrische Arbeit, die zu einer dreidimensionalen Ansicht des Gotteshauses führte.
„Sprechende“ Dachbalken. Hermann Portenreuther, der Propst des Stiftes Waldhausen, gab den Auftrag, das ursprünglich einschiffige Langhaus der Pfarrkirche (nicht Stiftskirche!) umzugestalten. Es wurde – in gotischem Stil – auf drei Schiffe erweitert. Mit Hilfe der Dendrochronologie konnte Schmid das Alter des Dachstuhls bestimmen. Man verwendete keine Balken der bestehenden Konstruktion, sondern die Bäume des jetztigen Dachstuhls wurden im Winter 1609/1610 geschlagen, so das Ergebnis.
Die „Werkzeugkiste“. Eine Radar-Untersuchung des Bodens, die die Fundamente des romanischen Vorgängerbaus der jetztigen gotischen Kirche gezeigt hätte, konnte nicht durchgeführt werden, da man dazu die fest verankerten Kirchenbänke hätte entfernen müssen. Dieser Aufwand wäre doch zu groß gewesen, zumal sich auch auf anderem Weg das romanische Gotteshaus rekonstruieren ließ. Das unverputzte Mauerwerk im Turmbereich, dessen älteste Teile bis ins 12. Jahrhundert zurückgehen, ermöglichte eine Analyse der unterschiedlichen Methoden zu bauen und gab Aufschluss über Zeit und Umfang der Bauetappen im Laufe der Jahrhunderte. Und schließlich holte der Diplomand Schmid noch die Thermolumineszenz-Verfahren aus seiner „Werkzeugkiste“, wodurch er anhand von gebrannten Baumaterialien weitere Altersbestimmungen vornehmen konnte. Wer sich für seine Arbeit mehr interessiert: beim 400-Jahr-Fest der Kirchenerweiterung wird eine 60-seitige Kurzfassung seines Werks präsentiert.
- Pfarre und Gemeinde feiern von 22. bis 24 Juni 2012 „400 Jahre Kirchenerweiterung“ mit einem umfangreichen Programm. Genaueres unter www.waldhausen.at Festgottesdienst am Sonntag, 24. Juni 2012 um 9.30 Uhr.