Während man in drei österreichischen Diözesen gespannt auf neue Bischöfe wartet, stellt sich die Diözese Linz auf einen Erneuerungsprozess ein. Der Motor des Zweiten Vatikanischen Konzils soll besser ins Laufen kommen.
Bereits am 15. November 2011 hat Papst Benedikt XVI. das Rücktrittsgesuch des Vorarlberger Bischofs Elmar Fischer angenommen. Als Diözesanadministrator leitet nun Benno Elbs die Diözese. Seither wartet man in Vorarlberg auf die Bestellung eines Bischofs. Erzbischof Alois Kothgasser von Salzburg hat am 18. April 2012 seinen Rückritt eingereicht – und gebeten, die Amtszeit über die Vollendung des 75. Geburtstages – den 29. Mai 2012 – hinaus nicht weiter zu verlängern. Beim steirischen Diözesanbischof Egon Kapellari läuft die zweijährige Verlängerung der Amtszeit ab. Am 12. Jänner 2013 vollendet er sein 77. Lebensjahr. Warum die Nachfolgen, die allesamt nicht überraschend kamen, nicht längst geregelt sind, darüber gibt es viele Spekulationen, aber keine verlässlichen Auskünfte. Dass gerade aus Österreich zurzeit kirchliche Reformwünsche besonders stark geäußert werden, bringt zusätzlich Spannung in die Thematik. Die Diözese Linz ist von den Bischofsnachfolge-Fragen nicht unmittelbar berührt. Die Rahmenbedingungen scheinen klar. Trotzdem: 2013 lässt auch für Oberösterreich Spannendes erwarten.
Florianer Konzilsgespräche. Drei Jahre lang will sich die katholische Kirche Oberösterreichs einem Erneuerungsprozess im Sinne des Zweiten Vatikanischen Konzils stellen. Kirche soll so unter heutigen Gegebenheiten von den Menschen als relevant für ihr Leben erfahren werden. Die Katholische Aktion wird dazu ab Herbst 2013 im Stift St. Florian die „Florianer Konzilsgespräche“ starten. Bis 2015 sollen sie dauern. KA-Präsident Bert Brandstetter zur Zielsetzung: „Wir wollen versuchen, gemeinsam mit prominenten Mitdenkern aus Kirche und Gesellschaft die Aufgaben der Kirche in Oberösterreich neu zu definieren und zu aktualisieren.“ Dabei setzt die Katholische Aktion auf große Offenheit: „Kein Tabu soll ausgelassen werden, alle Richtungen werden eingeladen, mitzureden.“ Die St. Florianer Konzilsgespräche sollen so zu einer Art „Denkwerkstatt Kirche morgen“ werden, in der in geschütztem Raum Visionen für morgen möglich sein sollen.
Lange Tradition. Der Propst des Chorherrenstiftes St. Florian, Johann Holzinger, sieht St. Florian als einen idealen Ort für diese Gespräche. Hier hat der Christenglaube in Oberösterreich seinen Anfang genommen. Der hl. Florian war der erste Blutzeuge des Glaubens im Land. Seit 1700 Jahren gibt es eine ungebrochene Tradition des Glaubens, der im Bekenntnis zu Jesus und in der Nächstenliebe seinen zentralen Punkt hat. Deshalb freut sich Holzinger, wenn gerade hier über Zukunftsfragen der Kirche nachgedacht werden wird.
kfb auf Katharinas Spuren. Um ein visionäres Nach-vorne-Denken geht es auch der Katholischen Frauenbewegung (kfb). Vom 18. bis 22. Oktober 2013 werden Frauen aus ganz Österreich dem Leben und Wirken der hl. Katharina in Siena nachspüren und sich von ihren Visionen anregen lassen. kfb-Vorsitzende Erika Kirchweger geht es dabei darum, Kraft zu tanken für eine „diakonische Erneuerung“ der Kirche. Der Beitrag von Frauen am diakonalen Handeln der Kirche sollte so Anerkennung finden. Warum die kfb sich gerade Katharina als Vorbild nimmt, erklärt Kirchweger so: „Sie predigte gegen alle Konvention öffentlich und mischte sich mit scharfer Kritik an Kirche, Papst und Politik ein, und sie trat für eine spirituelle Erneuerung der Kirche ein.“ Dem Papst schrieb Katharina: „Wartet nicht auf die Zeit, denn die Zeit wartet nicht auf euch.“
Frischzellenkur der KMB. Die Katholische Männerbewegung Oberösterreichs (KMB) verordnet sich für 2013 eine Art „Frischzellenkur“. Sie will auf junge Männer zugehen – mit neuen Angeboten, aber auch mit bewährten wie den Vater-Kind-Wochenenden, die es heuer über das ganze Jahr hin geben wird. Ein besonderes Augenmerk gilt einer Kooperation mit Caritas-Kindergärten. Kinder sollen Väter im Kindergarten erleben können. Bei der Suche nach künftigen Arbeitsschwerpunkten setzt die KMB auf ihre Mitglieder. Unter dem Motto „Was Mann bewegt“ können sie ihre Hauptanliegen einbringen. Dazu werden Postkarten in den Pfarren verteilt. Im Herbst sollen daraus griffige Botschaften formuliert werden. Heutige Entwicklungen für eine zukunftsfähige Kirche in die Wege zu leiten – darum wird es im Herbst auch beim Diözesantag gehen.