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„Mich berühren die vernachlässigten Dinge“

Der Jesuit und Künstlerseelsorger Gustav Schörghofer hielt am vergangenen Freitag in Schloss Puchberg einen Vortrag über Kirche und Kunst. Ein Glücksfall in Oberösterreich, meint der Rektor der Jesuitenkirche in Wien.
Ausgabe: 2012/05, Künstlerseelsorger, Schörghofer, Glücksfall, Vortrag, Jesuitenkirche, Kunst, Wien
06.02.2012
Seit 13 Jahren laden Sie Kunstschaffende ein, Arbeiten in der Jesuitenkirche zu verwirklichen. Was begeistert Sie an zeitgenössischer Kunst?Dr. Gustav Schörghofer SJ: Es gibt einzelne Aspekte, die mich sehr berühren. Wie Kunst, die aus Abfall gemacht wird, die sich der vernachlässigten Dinge bedient. Mich berührt auch, dass es in der Musik und in Bildern ganz still sein kann. Und dass sich die Künstler in ihrem Schaffen einem großen Risiko aussetzen. Sie gehen über den Bereich des Bekannten und dessen, was sie können, hinaus. Insgesamt ist es eine Poesie in der Kunst, die mich sehr berührt. Heute haben die großen Fragen nach dem Sinn, nach Glück und Tod wenig Platz. Kann Kunst diese Fragen herausfordern?
Schörghofer: Kunst kann dazu führen, dass man sich diesen Fragen stellt. Mit dem Tod hat die Kunst insofern zu tun, weil sie im Durchgang durch einen Tod entsteht. Denn wenn man ein Werk schafft, durchläuft man eine Phase, in der man alles loslässt und auch das Risiko des Scheiterns eingeht. Auf der anderen Seite ist Kunst auch einfach schön. Durch sie kann man Freude am Leben gewinnen, in einem tieferen Sinn. Eine Freude an diesem verletzbaren und verwundbaren Leben und auch eine Zärtlichkeit dem gegenüber. Und den Mut, zu sein wie ein Kind, und das ist in der Kirche ganz wichtig. Glaube und Kunst – was verbindet sie?
Schörghofer: Das beschäftigt mich sehr, weil ich gerade an einem Buch über dieses Thema arbeite. Der Glaube lebt wesentlich davon, dass ich mich anvertraue, dass ich loslasse, sei es Gott, sei es einem Menschen gegenüber. Bei der Kunst ist es ganz ähnlich. Es muss etwas geben, das fast mystischen Charakter hat. Im Glauben geht es nicht darum, dass ich jeden Sonntag in die Kirche gehe und die Inhalte kenne, sondern dass ich mich innerlich dem auch anvertraue, mit allen Miseren. Was brauchen Menschen, um sich ohne Scheu mit Kunst auseinanderzusetzen?
Schörghofer: Das Beste ist, wenn man sie dazu verleiten kann, eine gewisse Zeit mit dem Kunstwerk zu verbringen. Das Anschauen ist wichtig. Wenn man mit den Menschen über das Kunstwerk spricht und es erklärt, trifft man auf viel Offenheit. Was kann Kunst im kirchlichen Bereich bewirken?
Schörghofer: Die alte Kunst schenkt eine Heimat, die man kennt. Sie ist fast wie ein Bilderbuch. Die neue Kunst kann einen aus dieser Heimat aufschrecken und für Bereiche sensibel machen, die die alte Kunst so nicht wahrgenommen hat. Wie die Schönheit von schlichten Dingen. Die Kirche hat gute Initiativen im kulturellen Bereich, das wird zu wenig betont. In Oberösterreich ist Kirche und Kunst aber ein echter Glücksfall. Die Diözese Linz ist als Auftraggeberin wirklich erstaunlich.
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