Pfarrer Hanna Ghoneim schüttelt den Kopf: „Warum die USA und der Westen die Rebellen unterstützen, verstehe ich nicht. Diese wollen doch Syrien zu einem islamistischen Staat machen.“ Der Seelsorger aus Damaskus erklärt die Zwickmühle, in der die Christen in diesem fatalem Krieg stecken.
Die Lage in Syrien wird immer unübersichtlicher, soviel lässt sich aber festhalten: Vor allem die Zentren der großen Städte hält nach wie vor die Regierung unter Präsident Baschar al Assad, weite Gebiete sind in den Händen der Rebellen. Und in einer kleinen Region im Norden herrschen Kurden. Wer immer das Sagen hat – das Überleben ist in jedem der drei Territorien schwierig, die Lebensbedingungen katastrophal. Vor allem für die vier Millionen Syrer, die Haus und Besitz verloren haben, und Flüchtlinge im eigenen Land sind.
Christen geht es in Assad-Gebieten besser.
Wie die Zukunft des Landes nach den Massakern, Zerstörungen, blutigen Gefechten und nach Giftgaseinsatz aussehen kann, weiß niemand. Für die Bevölkerung geht es nur noch um das nackte Überleben. Dazu sagt Pfarrer Ghoneim: „Für die Christen ist die Situation in den Assad Gebieten besser.“ Man spürt, dass dem Priester diese Parteinahme für das Regime zutiefst zuwider ist. Doch der blutige Konflikt zwingt ihn, Partei zu ergreifen: „In dieser Situation kann man nicht neutral sein, wir Christen müssen uns auf die Seite der Regierung stellen.“ Er ist weit davon entfernt, das Regime schön zu reden und weiß um dessen Brutalität. Aber eines lässt sich nicht wegdiskutieren, betont er: „Wo die Regierung ist, funktioniert der Alltag mit Schulen und Behörden noch – zwar manchmal gestört durch Bombenanschläge. Wo aber die Rebellen sind, herrscht Chaos.“ Chaos bedeutet, dass keine staatlichen Strukturen existieren und das „Recht des Stärkeren“ gilt. In einem solchen Umfeld sind Minderheiten immer die ersten Opfer. So müssen Christen in den syrischen Rebellengebieten Schutzgeld zahlen. Entführungen und Enteignungen durch die Rebellen stehen auf der Tagesordnung, weiß er aus dem Kontakt mit seiner Heimat. „Wer als Christ mit den Rebellen kämpft, schaufelt sein eigenes Grab. Denn die Rebellen haben einen islamistischen Gottesstaat zum Ziel“, so die herrschende Meinung: „Die Presse im Westen erscheint mir einseitig und wie ein Sprachrohr der Rebellen.“
Priester und Ordensschwestern helfen.
Syriens Christen sitzen in der Falle. Pfarrer Ghoneim versteht nicht, warum der verzweifelte Kampf der Christen, sich in ihrer Heimat zu behaupten, in Europa so gleichgültig aufgenommen wird. Wer nicht in den Libanon geflohen ist, versucht sich häufig in die Regierungszonen durchzuschlagen – oft nur mit dem, was man am Leib trägt. Dort wird die Not von Tag zu Tag größer. Die Flüchtlinge wenden sich scharenweise an die Pfarren. Wohnung, Nahrung, Kleidung, Gas zum Kochen, Matratzen, Medikamente – alles brauchen sie. „Zur Zeit betreuen wir über 2000 Flüchtlingsfamilien und täglich werden es mehr. Aber Gott sei Dank haben wir die Möglichkeit zu helfen“, erzählt Pfarrer Ghoneim. Priester und Ordensschwestern in Homs, Aleppo und Damaskus verteilen die Hilfe direkt an die Leute. Ghoneims Aufgabe besteht darin, Menschen in Österreich und Deutschland für die Anliegen der Christen in Syrien zu sensiblisieren.
Dieser KIZ-Ausagbe liegt ein Erlagschein der ICO für die Hilfe der Christen in Syrien bei.Die furchtbaren Bilder aus Syrien.