St. Stefan am Walde: Der Künstler Markus Hofer übertrug den Grundriss der Kirche in Altar und Ambo aus Metall.
Ausgabe: 2013/06, St. Stefan am Walde, Markus Hofer, zeitgenössische Kunst
06.02.2013
- Dr. Martina Gelsinger
Die gotische Pfarrkirche von St. Stefan am Walde zeigt sich in ihrem Inneren als Ergebnis eines gewachsenen Zustandes. Architekturelemente der Gotik verbinden sich mit Versatzstücken aus späteren Ausstattungsphasen. Der Kirchenraum und die symbolisch in seine Mauern eingeschriebene jahrhundertelange Geschichte beschäftigten auch den Künstler Markus Hofer. Er erhielt im Anschluss an die Renovierungsarbeiten im Jahr 2012 den Auftrag, Altar und Ambo neu zu gestalten.
Altar und Ambo, gefaltet aus Metall
Der Künstler nahm den Grundriss der 850 Jahre alten Kirche als Ausgangspunkt für seine Gestaltung. Er faltet daraus markante skulpturale Objekte, deren Form er in Metall umsetzt. Die bestehende Altarplatte aus Granit wird weiterverwendet. Der Unterbau wurde aus den Umrisslinien des Gebäudes konstruiert und trägt damit ein Stück der Geschichte. Ein ähnliches Prinzip wie beim Altar verfolgt der Künstler auch beim Ambo. Der Ort der Wortverkündigung wächst aus dem Triumphbogenpfeiler heraus und lässt – wiederum in der Verwandlung des Grundrisses – Bau und Objekt, Geschichte und Gegenwart, ineinander übergehen. Das Metallband führt über die Stufen in den Kirchenraum und schafft eine symbolische und räumliche Verbindung vom Ort der Verkündigung zum Gemeinderaum.
Neuer Mittelgang mit Taufbecken
Der Vorstehersitz ist aus Holz gefertigt und in der zentralen Achse hinter dem Altar platziert. Die übrigen Sitzbänke reihen sich entlang der Apsiswand. Im Zuge der Renovierungs- und Neugestaltungmaßnahmen erhielt die Kirche einen Mittelgang. Hier ist auch das Taufbecken platziert: Damit wird das Sakrament der Taufe am Weg vom Eingang zum Altar als Sinnbild für den Eintritt in die Kirche verortet.
Vorhandenes wird in eine neue Form übertragen
Markus Hofer wurde in Haslach geboren. Er studierte Bildhauerei an der Kunstuniversität Linz und an der Akademie der bildenden Künste in Wien. Mit der Kirche und dem Friedhof von St. Stefan ist er biografisch verbunden. Charakteristisch für seine künstlerische Arbeit ist die Übertragung von Objekten. Dafür verwendet er vornehmlich „reale“ Objekte aus der Alltagswelt, die er durch Hinzufügungen oder Veränderungen umdeutet. Markenzeichen von Markus Hofer ist die technische Präzision, mit der er seine Ideen umsetzt und seine Objekte konstruiert. Von Präzision, formaler Qualität und der Umformung von Vorhandenem, die neue Blickwinkel eröffnet, zeugt auch seine Gestaltung in St. Stefan. Dort wird der Grundriss, auf dem die Kirche steht, im Altar und Ambo zum Grund und zur Basis der feiernden Gemeinde.