Im Rosenkranzmonat Oktober wird Maria um Schutz und Hilfe gebeten. Künstlerisch gestaltete Marienorte wie in der Pfarrkirche St. Thomas am Blasenstein laden besonders zum Innehalten ein.
Gerade wurde das Kind getauft. Nun stehen die Eltern mit ihm vor einem Marienbild und bitten um den Segen für den Täufling. Das ist nur eines der vielen Anliegen, mit denen sich Menschen im Gebet an Maria wenden. Viele Gläubige besuchen dafür einen Ort, an dem Maria verehrt wird, zünden eine Kerze an oder bringen Blumen. Es ist eine sehr persönliche Form der Andacht, die in der besonderen Gestaltung der Marienorte in Kirchen und Kapellen zum Ausdruck kommt. Neben Blumenschale und Kerzenständer liegen hier Bücher auf, in denen die Besucher/innen ihre Bitten niederschreiben können. In Mappen können sie Gedanken nachlesen und mit nach Hause nehmen, manchmal auch eine Papierrolle mit einer Botschaft für den Tag.
Mit Bedacht gestalten. „Es ist ein Ort, wo sich Menschen in ihrem Glauben verstanden fühlen“, sagt Hubert Nitsch vom Kunstreferat der Diözese. Umso wichtiger sei es, ihn mit Sorgfalt zu gestalten. Dabei spielen neben der Atmosphäre so weltliche Dinge wie Brandschutz eine Rolle. Denn die Fülle der Kerzen, die hier entzündet werden, haben so manchen Kirchenmauern schon Schaden zugefügt. Die Mitglieder des Kunstreferats haben in den letzten Jahren Pfarrgemeinden dabei unterstützt, ihren Ort der Marienverehrung zu erneuern oder einen geeigneten Platz dafür zu finden – manchmal gleich neben dem Eingang in der Kirche. Das erinnere an die Tradition der Mönche, so Hubert Nitsch: „In jeder Kartause gab es im Vorraum ein Marienbild, um zu vergegenwärtigen, dass Maria am Anfang der Heilsgeschichte stand.“ In Pfarren, wo kein Marienbild vorhanden war, hat das Kunstreferat auch schon Statuen vermittelt.
Maria in neuem Licht. In der Pfarrkirche St. Thomas am Blasenstein gab es bereits eine Madonna aus Lourdes, doch keinen Platz für Kerzen. Mitte August wurde nun der neue Marienplatz geweiht und er gibt ein Bild davon, wie zeitgenössische Kunst etwas Vorhandenes in ein neues, belebendes Licht rücken kann. Die Linzer Künstlerin Ulrike Neumaier gestaltete die Objekte um die Statue in Zusammenarbeit mit vier jungen Frauen, unterstützt von Martina Gelsinger vom Kunstreferat. Die Madonna steht auf einem Sockel, der mit goldenen Blumen bedruckt ist. Davor zwei Stelen mit Glasbehältern für den Blumenschmuck und eine weiße Betbank, die Polster mit goldenem Stoff überzogen. Die handgefertigte Glasschale auf dem weißen Kerzenständer ist mit Sand gefüllt. Der Schein der schmalen Kerzen, die darin Halt finden, lässt die Farben Gold und Weiß von Sockel, Bank und Kerzenständer schimmern. Die klaren Formen strahlen Ruhe aus.
Wunschblumen für Maria. Maria, die Helfende, aber auch die leidende Mutter. „Die Auseinandersetzung mit der Position der Frau als Leidende war eine ungeheure Bereicherung für mich, aber auch sehr herausfordernd“, meint die Künstlerin, die im vergangenen Jahr die Ehrenzeichen der Diözese, die Florian- und Severinmedaille, entworfen hat. Mit den Blumenmotiven auf dem Sockel nimmt Ulrike Neumaier ein wichtiges Thema der Marienandacht auf: Die ganz persönliche Zuwendung zu Maria mit Blumen. Hier sind es Rosen, Gerbera und Lilien, die Lieblingsblumen der beteiligten Frauen. Maria wurde in der Kunstgeschichte immer wieder mit Blumen dargestellt. Ulrike Neumaier setzt diese Tradition mit neuen künstlerischen Mitteln fort. Dass die Bevölkerung die zeitgenössische Kunst an einem Ort des Gebetes annimmt, beobachtet Gerlinde Schachinger mit Freude. Sie ist PGR-Obfrau und hat sich für das Projekt sehr eingesetzt. „Die Menschen gehen nicht einfach vorbei, sondern bleiben stehen, um nachzudenken und zu beten.“ Ein sorgsam gestalteter Platz ist eben nicht nur ein Zeichen für die Wertschätzung Marias, sondern auch für die Wertschätzung der gläubigen Bevölkerung.