Beate Mayerhofer-Schöpf ist Theologin
und Referentin für Spiritualität im
Pastoralamt der Erzdiözese Wien
Meiner Meinung nach hat der weltweite synodale Prozess die Kirche bereits nachhaltig verändert.
Seit 2021 wurden weltweit Meinungen und Stimmen von Menschen eingeholt. Alle konnten mitreden, wie das Miteinandergehen als Christinnen und Christen in der aktuellen Welt gelingen kann. In den ersten Berichten aus Diözesen, Ländern und Regionen wurde ehrlich gesprochen, das zeigte sich auch in der schriftlichen Zusammenschau.
Ich weiß noch, wie ich 2022 mit den oberösterreichischen Dechanten im Bus von einer Studienfahrt aus Deutschland nach Hause gefahren bin und euphorisch vom ersten Dokument „Mach den Raum deines Zeltes weit. Arbeitsdokument für die kontinentale Etappe“ berichtet habe. Mehr als 130 Länderberichte sind darin enthalten. Viele Themen wurden bereits damals deutlich angesprochen: die gemeinsame Taufwürde, die Wertschätzung der Charismen aller in diese Welt gesandten Christ:innen, die gemeinsame Konsultation vor Entscheidungen, das Ernstnehmen kultureller Kontexte, eine „heilsame Dezentralisierung“ und das Thema der Mitverantwortung und Gleichberechtigung von Frauen auf allen Ebenen der Kirche.
Dieser Bericht ist für mich einer der besten im gesamten synodalen Prozess. Er wurde von 14 Personen aus aller Welt in einer 14-tägigen Klausur erstellt. Diese Wertschätzung der lokalen Berichte ist einzigartig in der Kirche. Ebenso neu und besonders ist die Beteiligung von 150 Frauen und Männern, die nicht Priester und Bischöfe sind, an den beiden Weltsynoden 2023 und 2024.
Die Gesprächskultur der „Gespräche im Geist“ an den runden Tischen, das Hören aufeinander, zeichnet die katholische Kirche nun aus. Wir sind derzeit in der Umsetzungsphase, und vom Pfarrgemeinderat bis zu einer Weltsynode kann eigentlich keine Entscheidung mehr ohne vorhergehende gemeinsame Beratung geschehen. Es ist unser Auftrag, die gemeinsame Taufwürde in der Liturgie und im kirchlichen Leben sichtbar zu machen. Die Mitverantwortung der Frauen auf allen Ebenen der Kirche wird in der zunehmenden Ernennung von Frauen in höchste Leitungspositionen als ein erster Schritt umgesetzt.
Für mich steht ein wichtiger Satz des lehramtlichen Schlussdokumentes im Absatz 21: „Es gibt nichts Höheres als die gemeinsame Taufwürde.“ Das ist einer der Schlüssel für eine synodale Kirche auf dem Boden des Zweiten Vatikanischen Konzils, und dieser Schlüssel hat schon viele neue Türen aufgesperrt.
In diözesanen und nationalen Versammlungen werden 2027 Briefe an die anderen Diözesen, an die Welt geschrieben. So wie Paulus an die Gemeinde von Korinth geschrieben hat, schreibt nun die „Gemeinde von Österreich“ an die Welt. In der weltweiten Kirchenversammlung im Herbst 2028 geht es um die erkannten „Kernthemen“ – die „Zeichen der Zeit“. Für mich ist erstaunlich, dass sich weltweit gemeinsame Themen herauskristallisieren. Synodalität hat unser kirchliches Miteinander bereits verändert und wird es in Zukunft noch tun.
(Meine Empfehlung: www.synodalitaet.at)
Gabriele Eder-Cakl ist Direktorin des Österreichischen Pastoralinstituts, einer Einrichtung der Österreichischen Bischofskonferenz.
Es ist hilfreich, zwischen zwei Arten von Synodalität zu unterscheiden: Die eine Variante will Aufgaben des Lehramts übernehmen. Dieses Lehramt gilt aber immer und überall. Der Gedanke, dass Fragen wie der Zölibat oder die Zulassung zur Weihe regional unterschiedlich behandelt werden, überzeugt nicht und würde zu anglikanischen Verhältnissen führen, zur Zersplitterung.
Synodalität ist vielmehr ein Lebensstil und eine Arbeitsweise, die im überlieferten Glauben, dem depositum fidei, wurzeln und diesen Glauben in einer gemeinsamen Anstrengung neu erschließen und relevant machen wollen. Es kann nicht darum gehen, eine synodale Instanz zu einem Aufsichtsrat zu machen, der die Bischöfe kontrolliert.
Wie aber könnte katholische Synodalität ausschauen? Es bedeutet zunächst, dass Beschlüsse eines synodalen Gremiums – hier stellt sich die Zusatzfrage nach dessen Zusammensetzung – der Zustimmung der Bischöfe bedürfen und ohne diese nicht gelten. Ebenso muss klar sein, dass die einzige Institution, die lehramtliche Fragen verbindlich entscheiden kann, das römische Papsttum ist, das im Einklang mit dem Bischofskollegium handelt.
Wenn diese beiden Konstanten anerkannt sind, ist schon einmal viel Luft heraußen. Damit wird zugleich der Bischofssynode von 2024 Rechnung getragen, die als Aufgabe von Synoden die Unterscheidung definierte, die es den Bischöfen ermöglicht, kollegial die Entscheidungen zu treffen, die ihnen aufgrund ihres Amtes zustehen. Wer diese Festlegung respektiert, die zum Teil des ordentlichen Lehramtes erklärt wurde, hat dennoch zahlreiche Gestaltungsmöglichkeiten. Doch will echte Synodalität das geweihte Amt und seine Kompetenz zur Letztentscheidung nicht ersetzen, sondern es einbetten in synodales Zuhören und Unterscheiden, das Entscheidungen aus der Mitte der Gemeinschaft heraus ermöglicht.
So kommt man zu einer synodalen Arbeitsweise in zwei Durchgängen: a) Erarbeitung einer Entscheidung durch Formulierung der Fragestellung, gemeinsame Unterscheidung der Geister und Beratung und b) Treffen einer Entscheidung, die der Zustimmung des geweihten Amtes bedarf, um gültig zu werden. Dabei ist zu bedenken, was der Chef des Rates der Bischofskonferenzen Europas, Erzbischof Gintaras Grusas von Vilnius, so formulierte: „Wenn wir wissen würden, welche Ergebnisse am Ende herauskommen, wäre der Prozess nicht synodal.“
Nicht parlamentarische Abstimmung, sondern das Hören auf den manchmal überraschenden Geist, bis man zu einer möglichst einhelligen Meinung kommt – das ist Synodalität. Wird sie die Kirche verändern? Ja, hin zu größerem Gottvertrauen und zu größerer Einheit.
Nicolaus Buhlmann Can.Reg. ist Chorherr des Stiftes Klosterneuburg in Niederösterreich, Pfarrer in Wien und Lehrbeauftragter an der Hochschule Heiligenkreuz.

Beate Mayerhofer-Schöpf ist Theologin
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