Stefan Kronthaler ist Redakteur der Wiener Kirchenzeitung „Der SONNTAG“.
Untersucht wurden Berührungspunkte des sogenannten Rechtskatholizismus mit dem Rechtsextremismus sowie Randbereiche, die als rechtsextrem zu bewerten seien, sagt DÖW-Projektleiter Bernhard Weidinger.
Er betont, dass persönliche Glaubenspraxis oder traditionelles Familienbild nicht pauschal als rechtsextrem gelten. Problematisch werde es jedoch, wenn religiöse Dogmen über die Verfassung gestellt, Allianzen mit rechtsextremen Akteurinnen eingegangen oder demokratiefeindliche Inhalte verbreitet würden. Auch die Teilnahme an Demonstrationen wie den Märschen „fürs Leben“ oder „für die Familie“ sei nicht per se rechtsextrem, so Weidinger.
Entscheidend seien jedoch Inhalte, Reden, Symbolik und mögliche Kooperationen. Wenn dort etwa Sterbehilfe mit nationalsozialistischen Medizinverbrechen verglichen, Demokratie als „Pöbelherrschaft“ diffamiert oder zu einer religiös begründeten „Widerstandspflicht“ gegen ihre Institutionen aufgerufen würde, sei Sensibilität geboten.
„Eine Diffamierung von Christen oder christlicher Werte ist keineswegs Intention des Berichts“, betonte Weidinger. Ziel des DÖW-Berichts sei die Sensibilisierung für antidemokratische Tendenzen und die Frage: „Wie hältst du’s mit der Demokratie?“
Die Innsbrucker Theologin Michaela Quast-Neulinger warnt, dass Christentum als „Scharnier“ für autoritäre Ideologien genutzt werde, während zentrale Werte wie Menschenwürde, Solidarität oder Demokratie ausgeblendet würden. Rechtsextreme pickten einzelne Themen heraus, verknüpften sie mit eigenen Agenden und verschleierten so demokratiefeindliche Positionen. Sie fordert klare und aktive Abgrenzungen der Kirchen.
Die Katholische Aktion Österreich (KAÖ) nannte die aktuelle DÖW-Untersuchung einen wichtigen Beitrag zur wissenschaftlichen Auseinandersetzung mit christlichem Fundamentalismus. „Als katholische Kirche müssen wir wachsam sein und mit vereinten Kräften nach innen wie auch nach außen aktiv sein, um dem rechtsextremistischen Treiben, das auf der Spur Jesu Christi herumtrampelt, statt ihr zu folgen, in aller Deutlichkeit entgegenzuwirken“, sagte das Präsidial-Team der Katholischen Aktion Österreich, Ferdinand Kaineder, Katharina Renner und Thomas Immervoll.
Die KAÖ sehe sich in früheren Warnungen bestätigt und mache sich Sorgen um die Zusammenarbeit zwischen sich christlich bezeichnenden Vereinigungen mit der „identitären Bewegung von Martin Sellner, die rassistisch und menschenverachtend auftritt und in ihren Worten und Taten vor Gewaltanwendung nicht zurückschreckt“.
Die Meldestelle „Christenschutz.at“ übte massive Kritik am DÖW-Bericht. Beanstandet wird insbesondere das im Bericht eingeführte Konzept der sogenannten „Resonanzräume“. Dieses stelle eine „gefährliche Form der Kollektivschuld“ dar.
Download DÖW-Rechtsextremismus-bericht: www.doew.at

Stefan Kronthaler ist Redakteur der Wiener Kirchenzeitung „Der SONNTAG“.
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