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Serie: Wie miteinander sprechen - Teil 2/4

Wirklich hören

GLAUBENS_GUT

Zeit ist die Voraussetzung für "spirituelle Kommunikation". Lesen Sie dazu mehr in Teil 2 unserer Serie. 

Ausgabe: 40/2023
03.10.2023
- Georg Nuhsbaumer
Zuhören braucht mehr als das Ohr.
Zuhören braucht mehr als das Ohr.
© Copyright 2006 es.war.einmal.. / Photocase Addicts GmbH, all rights reserved.

Beinahe 500 Personen nehmen am weltweiten Synodentreffen von 4. bis 29. Oktober in Rom teil. Damit sie einander trotz verschiedener Sprachen, Hintergründe und Meinungen zuhören können und das Treffen Früchte trägt, praktizieren sie die „spirituelle Konversation“. Was das ist und wie sie auch in kleineren Gruppen gelingen kann, zeigt diese Serie.

 

Die Praxis spiritueller Konversation erfordert Übung und Achtsamkeit, damit sie gelingen kann. Sie basiert auf drei zentralen Haltungen: aktives Zuhören, aus dem Herzen sprechen, Gebet.

 

Aktives Zuhören


Aktives Zuhören ist das Herzstück der spirituellen Konversation. Es geht darum, die anderen so zu verstehen, wie sie sind. Wir hören nicht nur auf das, was der oder die andere sagt, sondern auch auf das, was er oder sie meint und was er oder sie vielleicht auf einer tieferen Ebene erlebt.
Wir nehmen auf, was die andere sagt, ohne zu urteilen, unabhängig davon, was wir über die Person oder das, was sie gesagt hat, denken. Wir sind neugierig und achten auf neue Ideen, anstatt zu bewerten.


Ignatius von Loyola empfiehlt dazu in seinen Geistlichen Übungen, unvoreingenommen auf eine Weise zuzuhören, die eher bereit ist, das, was der andere sagt, gut zu deuten, als es zu verurteilen. Aktives Zuhören bedeutet, sich vom anderen beeinflussen zu lassen und von der anderen zu lernen. Es geht darum, die eigene Agenda für den Moment beiseitezuschieben und uns mit Einfühlungsvermögen und Mitgefühl in die Lage der anderen zu versetzen. Wir hören dabei in der Haltung zu, dass der Heilige Geist durch die andere Person zu uns spricht und in ihr wirkt. Die grundlegende Frage lautet: „Was geschieht in der anderen Person und in mir, und wie wirkt Gott hier?“

 

Aus dem Herzen sprechen


Aus dem Herzen zu sprechen erfordert, dass wir uns der eigenen Gedanken, Gefühle und Reaktionen bewusst werden. Wir müssen dazu bereit sein, diese Aspekte unserer inneren Welt auszudrücken und Verantwortung für das zu übernehmen, was wir sagen und fühlen. Dies fördert eine ehrliche Kommunikation und schafft einen Raum für tiefe Reflexion. Es geht also darum, unsere Erfahrungen, Gedanken und Gefühle aufrichtig und klar zum Ausdruck zu bringen, ohne unsere Sichtweise anderen aufzudrängen.

 

Gebet


Das Gebet ist ein unverzichtbares Element der spirituellen Konversation, denn individuelles und gemeinsames Beten ermöglicht den Teilnehmenden, in Berührung mit sich selbst und mit Gottes Sehnsucht zu kommen. Ohne Kenntnis von sich selbst und ohne die Suche im Gebet, wie Gott im eigenen Leben gegenwärtig ist, kann aktives Zuhören oder aus dem Herzen sprechen nur unzureichend gelingen.

 

Zeit, innere Freiheit und Offenheit


Nimmt man die Kernelemente spiritueller Konversation ernst, so werden die Voraussetzungen deutlich: Diese Art der Kommunikation benötigt Zeit. Weder Gebet noch das gegenseitige und gemeinsame Hören können unter Zeitdruck gelingen.


Die zweite Voraussetzung ist echte innere Freiheit. Das bedeutet, sich freizumachen von vorgefertigten Meinungen, Anhänglichkeit, äußeren Autoritäten und vom Wunsch nach schnellen Entscheidungen. Nicht zuletzt braucht es eine Haltung der Offenheit für das Wirken Gottes in uns und für die anderen sowie für die gemeinsame Suche nach dem je Besseren. Sind wir bereit, uns darauf einzulassen, dass im Aufeinander-Hören Gott wirken kann?


Lesen Sie in den kommenden Wochen:
Praktische Anleitung, Erfahrungen und Praxis

Georg Nuhsbaumer, Leiter des Bereichs „Christlich inspirierte Führung und Organisationskultur“ im Kardinal König Haus
Georg Nuhsbaumer, Leiter des Bereichs „Christlich inspirierte Führung und Organisationskultur“ im Kardinal König Haus
© Kardinal König Haus
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Stefan Kronthaler ist Redakteur der Wiener Kirchenzeitung „Der SONNTAG“.

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