Beate Mayerhofer-Schöpf ist Theologin
und Referentin für Spiritualität im
Pastoralamt der Erzdiözese Wien

Ihr aber sagt: Der Weg des Herrn ist nicht richtig. Hört doch, ihr vom Haus Israel: Mein Weg soll nicht richtig sein? Sind es nicht eure Wege, die nicht richtig sind? Wenn ein Gerechter sich abkehrt von seiner Gerechtigkeit und Unrecht tut, muss er dafür sterben. Wegen des Unrechts, das er getan hat, wird er sterben.
Wenn ein Schuldiger von dem Unrecht umkehrt, das er begangen hat, und nach Recht und Gerechtigkeit handelt, wird er sein Leben bewahren. Wenn er alle seine Vergehen, die er verübt hat, einsieht und umkehrt, wird er bestimmt am Leben bleiben.
Er wird nicht sterben.
Wenn es also eine Ermahnung in Christus gibt, einen Zuspruch aus Liebe, eine Gemeinschaft des Geistes, ein Erbarmen und Mitgefühl, dann macht meine Freude vollkommen, dass ihr eines Sinnes seid, einander in Liebe verbunden, einmütig, einträchtig, dass ihr nichts aus Streitsucht und nichts aus Prahlerei tut. Sondern in Demut schätze einer den andern höher ein als sich selbst. Jeder achte nicht nur auf das eigene Wohl, sondern auch auf das der anderen.
Seid untereinander so gesinnt, wie es dem Leben in Christus Jesus entspricht.
Was meint ihr? Ein Mann hatte zwei Söhne. Er ging zum ersten und sagte: Mein Kind, geh und arbeite heute im Weinberg! Er antwortete: Ich will nicht. Später aber reute es ihn und er ging hinaus. Da wandte er sich an den zweiten und sagte zu ihm dasselbe. Dieser antwortete: Ja, Herr – und ging nicht hin. Wer von den beiden hat den Willen seines Vaters erfüllt?
Sie antworteten: Der erste. Da sagte Jesus zu ihnen: Amen, ich sage euch: Die Zöllner und die Dirnen gelangen eher in das Reich Gottes als ihr. Denn Johannes ist zu euch gekommen auf dem Weg der Gerechtigkeit und ihr habt ihm nicht geglaubt; aber die Zöllner und die Dirnen haben ihm geglaubt. Ihr habt es gesehen und doch habt ihr nicht bereut und ihm nicht geglaubt.
Gedenke deines Erbarmens, o Herr,
und der Taten deiner Gnade!
Zeige mir, Herr, deine Wege,
lehre mich deine Pfade!
Führe mich in deiner Treue und lehre mich;
denn du bist der Gott meines Heiles.
Auf dich hoffe ich den ganzen Tag.
Gedenke deines Erbarmens, Herr,
und der Taten deiner Gnade;
denn sie bestehen seit Ewigkeit!
Gedenke nicht meiner Jugendsünden
und meiner Frevel!
Nach deiner Huld gedenke meiner, Herr,
denn du bist gütig!
Der Herr ist gut und redlich,
darum weist er Sünder auf den rechten Weg.
Die Armen leitet er nach seinem Recht,
die Armen lehrt er seinen Weg.
Jesus erzählt das Gleichnis von zwei Söhnen. Beide werden vom Vater in den Weinberg geschickt. Der erste widerspricht zunächst, geht aber später doch. Der zweite sagt sofort „Ja“, bleibt aber untätig. Für die Zuhörer war klar: Nicht das schöne Wort zählt, sondern das Handeln.
Der Weinberg ist ein vertrautes biblisches Bild für das Volk Gottes. Es geht also um das konkrete Leben im Glauben. Wer tut wirklich den Willen des Vaters? Jesus stellt diese Frage nicht theoretisch, sondern ganz praktisch.
Es ist überraschend, dass Jesus ausgerechnet Zöllner und Sünder – Menschen, die oft als religiös gescheitert galten – mit dem ersten Sohn vergleicht. Sie sagen zunächst „Nein“ mit ihrem Leben, ändern aber später ihre Richtung. Die religiösen Führer dagegen gleichen dem zweiten Sohn: Sie sagen „Ja“, glauben aber nicht.
Jesus macht deutlich: Gott schaut nicht bloß auf unseren Anfang, sondern auf unseren Weg. Ein anfängliches „Nein“ ist nicht endgültig. Umkehr bleibt möglich – jederzeit. Und oft geschieht sie leise, in kleinen Schritten. Der Vater im Gleichnis bleibt ruhig. Er verurteilt nicht sofort, sondern lässt Raum. Das zeigt Gottes Geduld. Er drängt nicht.
Zugleich ist das Gleichnis auch eine echte Anfrage an mich: Fromme Worte und gute Vorsätze können leicht zur Gewohnheit werden. Doch ohne konkretes Tun bleiben sie unfruchtbar. Dieses Evangelium lädt mich zur Ehrlichkeit ein: Gott erwartet kein perfektes Leben – aber ein aufrichtiges Herz, das bereit ist, sich führen zu lassen und neu anzufangen.
Was wäre heute ein konkreter Schritt, um mein „Ja“ wirklich zu leben?

Beate Mayerhofer-Schöpf ist Theologin
und Referentin für Spiritualität im
Pastoralamt der Erzdiözese Wien