Stefan Kronthaler ist Redakteur der Wiener Kirchenzeitung „Der SONNTAG“.

Der Herr sagte zu mir: Du bist mein Knecht, Israel, an dem ich meine Herrlichkeit zeigen will. Jetzt aber hat der Herr gesprochen, der mich schon im Mutterleib zu seinem Knecht geformt hat, damit ich Jakob zu ihm heimführe und Israel bei ihm versammelt werde.
So wurde ich in den Augen des Herrn geehrt und mein Gott war meine Stärke. Und er sagte: Es ist zu wenig, dass du mein Knecht bist, nur um die Stämme Jakobs wieder aufzurichten und die Verschonten Israels heimzuführen. Ich mache dich zum Licht der Nationen; damit mein Heil bis an das Ende der Erde reicht.
Paulus, durch Gottes Willen berufener Apostel Christi Jesu, und der Bruder Sósthenes an die Kirche Gottes, die in Korínth ist – die Geheiligten in Christus Jesus, die berufenen Heiligen, mit allen, die den Namen unseres Herrn Jesus Christus überall anrufen, bei ihnen und bei uns. Gnade sei mit euch und Friede von Gott, unserem Vater, und dem Herrn Jesus Christus!
In jener Zeit sah Johannes der Täufer Jesus auf sich zukommen und sagte: Seht, das Lamm Gottes, das die Sünde der Welt hinwegnimmt! Er ist es, von dem ich gesagt habe: Nach mir kommt ein Mann, der mir voraus ist, weil er vor mir war. Auch ich kannte ihn nicht; aber ich bin gekommen und taufe mit Wasser, damit er Israel offenbart wird.
Und Johannes bezeugte: Ich sah, dass der Geist vom Himmel herabkam wie eine Taube und auf ihm blieb. Auch ich kannte ihn nicht; aber er, der mich gesandt hat, mit Wasser zu taufen, er hat mir gesagt: Auf wen du den Geist herabkommen und auf ihm bleiben siehst, der ist es, der mit dem Heiligen Geist tauft. Und ich habe es gesehen und bezeugt: Dieser ist der Sohn Gottes.
Ich hoffte, ja ich hoffte auf den Herrn.
Da neigte er sich mir zu und hörte mein Schreien.
Er gab mir ein neues Lied in den Mund,
einen Lobgesang auf unseren Gott.
An Schlacht- und Speiseopfern hattest du kein Gefallen,
doch Ohren hast du mir gegraben,
Brand- und Sündopfer hast du nicht gefordert.
Da habe ich gesagt: Siehe, ich komme.
In der Buchrolle steht es über mich geschrieben.
Deinen Willen zu tun, mein Gott, war mein Gefallen
und deine Weisung ist in meinem Innern.
Gerechtigkeit habe ich in großer Versammlung verkündet,
meine Lippen verschließe ich nicht; Herr,
du weißt es.
„Seht das Lamm Gottes, das hinwegnimmt die Sünde der Welt“, betet der Priester in jeder Eucharistiefeier vor der Austeilung der Kommunion. Genau das sagt auch Johannes der Täufer heute. Wir hören dieses Wort oft gedankenlos und antworten fast formelhaft: „Herr, ich bin nicht würdig ...“ Dabei können wir die Bedeutung Jesu für uns anhand dieses kurzen Bibelverses neu entdecken.
Warum „Lamm“? Da ist zum einen das Pascha-Lamm (Exodus, Kapitel 12). Beim Auszug aus Ägypten schlachtete jede Familie auf den Befehl Gottes hin ein Lamm und bestrich mit dessen Blut die Türpfosten. Dies war das Zeichen für den Engel des Herrn, die Ägypter zu strafen, an den Häusern der Israeliten aber vorüberzugehen. Seither feiert Israel das Pascha-Fest.
Da Jesus laut Johannesevangelium in der zeitlichen Nähe eines Pascha-Festes hingerichtet wurde, zu der Stunde, als die Priester im Tempel die Lämmer schlachteten, lag es nahe, seinen Tod mit Hilfe dieser Vorstellung vom Pascha-Lamm zu deuten. Das Blut, das Jesus vergossen hatte, wurde so für das Urchristentum zum Zeichen für die Befreiung, die Gott durch Jesus endgültig schenken wollte. Und da ist zum anderen eine weitere alttestamentliche Vorstellung, nämlich die vom Gottesknecht.
Bei Jesaja heißt es, dass der Gottesknecht sein Leben hingibt zur Sühne für die Sünden der vielen (Jesaja, Kapitel 53, Verse 10 bis 12). Jesus vermittelt allen Gottes barmherzige Zuwendung. Jesu Tod schafft auch Befreiung, indem er Sühne bewirkt für die Sünde, unter der die Welt leidet. Diese Sühnung sahen die ersten Christen im Tod Jesu als Pascha-Lamm erfüllt. Die Heilsgeschichte ist so klar auf den Punkt gebracht in dem Bekenntnis des Täufers Johannes: „Seht das Lamm Gottes, das hinwegnimmt die Sünde der Welt.“

Stefan Kronthaler ist Redakteur der Wiener Kirchenzeitung „Der SONNTAG“.