Der katholische Theologe und Geschäftsführer von CRIC, Verein für ethisch orientierte Investoren, Dr. Klaus Gabriel, nennt die Gefahr der Inflation als Grund, mit weiterem Geldzufluss zurückhaltend zu sein.
Gefahr der Inflation
Der Tiroler Gabriel, er lehrt an mehreren Universitäten, warnt: Würde die Notenbank mehr Geld drucken, damit der Staat zahlungskräftiger wird, würden rasch die Einkommen der Menschen steigen. Werden mit dem zusätzlichen Geld Güter und Dienstleistungen in der Realwirtschaft gekauft, treibt das die Preise in die Höhe: Inflation!
Erstes Aber
„In den USA ‚druckt‘ die Notenbank derzeit pro Monat 85 Milliarden US-Dollar, mit denen Staatsanleihen aufgekauft werden. Trotzdem kommt es nicht zu Inflation – weil das Geld in einem reinen Finanzkreislauf zirkuliert und nicht nachfragewirksam wird. Ob das auf lange Frist jedoch weiterführbar ist, wird von vielen Ökonomen bezweifelt.“ Auch hier ist Inflation eine Gefahr, eine andere sei ein Finanzkollaps.
Reichtumsprämie
Der Staat macht Schulden, um sich Sozialpolitik oder Schulen, Straßen, öffentlichen Verkehr leisten zu können. An den Zinsen für das ausgeborgte Geld, also auch zur Armutsbekämpfung, verdienen Vermögens-Besitzer. „Reichtumsprämie“ nennt der Referent von Pax Christi Oberösterreich Markus Pühringer, in seinem jüngst vorgestellten Buch „Im Bann des Geldes“ (planetVerlag, ISBN 978-3-902555-40-3) das Zinseinkommen ohne Leistung. Gabriel fragt: Geben wir Geld für die falschen Sachen aus?
Fantastisches Geschäftsmodell
Gabriel sieht in der Staatenfinanzierung durch Geschäftsbanken einerseits einen Zwang zur Sparsamkeit für Staaten. Andererseits aber sei es auch problematisch: Die Geschäftsbanken können sich aktuell sehr billig (um 0,5 %) Geld bei der Europäischen Zentralbank ausleihen und borgen dieses Geld an Staaten weiter, teilweise mit sehr hohen Aufschlägen. „Das ist ein fantastisches Geschäftsmodell – mit praktisch null Aufwand (und ohne Risiko) kann man Milliarden verdienen.“ – In Fachkreisen werde diskutiert, ob man nicht eine Teilfinanzierung von Staatsschulden, etwa bis zur Schuldengrenze von 60 % des BIP, über die Notenbank zu 0 % ermöglichen soll.
Zweites Aber
„Wenn man Schulden abbauen will, geht das am besten mit Vermögensvernichtung – Inflation oder Gläubigerverzicht. – So gesehen ist das, was gerade passiert (Sparbuchzinsen unter Inflationsrate, das heißt Geldentwertung), gar nicht so schlecht. Es trifft halt die Masse und weniger die Super-Reichen, die ihr Geld besser in Sachwerten anlegen können als die kleinen Sparer.“ Für Gabriel aber ist es in Ordnung, wenn das Geld der Vermögenden (also auch der kleinen Sparer) weniger wird, wenn dies den Ärmsten dieser Welt hilft. „Es gibt kein Menschenrecht auf Zinsen aus Kapitalvermögen.“
Zur Sache
Statistisches zu Geld und Vermögen
Die Zahlen stammen großteils von der Österreichischen Nationalbank.
Bargeldmengen im Euroraum. Zum Stichtag 30. Juni 2013 waren im Euroraum 932 Milliarden Euro im Umlauf.
Banknotenmengen. Die Nationalbank schätzt, dass in Österreich etwa 500 Millionen Stück Banknoten im Umlauf sind; insgesamt – bezogen auf alle Euro-Mitgliedsstaaten – sind es mehr als 15,2 Milliarden. Der häufigste Geldschein ist der 50-Euro-Schein, sein Anteil an allen Euro-Scheinen liegt über 40 Prozent.
Falschgeld. Im ersten Halbjahr 2013 wurden in Österreich 3.626 Euro-Fälschungen aus dem Umlauf sichergestellt.
Schilling. Noch immer sind 8,8 Milliarden Schilling nicht umgetauscht.
Barzahlung. Im gesamten Euroraum steigt die Nachfrage nach Bargeld. Die Österreichische Nationalbank schätzt, dass in Österreich Banknoten im Wert von 25 bis 27 Milliarden Euro zirkulieren. Bargeld ist das beliebteste Zahlungsmittel der Österreicher/innen. 8,3 Millionen Bankomatkarten sind im Umlauf.
Sparbuch-Einlagen. Im Jahr 2011 lagen 157 Milliarden auf österreichischen Sparkonten. Über 2200 Sparkonten hatten ein Vermögen von über einer Million Euro. Auf 80 Prozent der etwa 23,2 Millionen Sparkonten liegen maximal 10.000 Euro Sparguthaben
Reichtum. In Österreich leben 78.000 Millionäre. Die obersten fünf Prozent der österreichischen Haushalte besitzen 45 Prozent des Nettovermögens.