Mit dem Namen „Kolping“ verbindet man zuallererst Wohnheime für junge Menschen. Darüber hinaus haben die „Kolpingfamilien“ auch die Herausforderungen der Gesellschaft im Blick, wie beim Fest zum 200. Geburtstag des Gründers Adolph Kolping in Wels zu erleben war.
„Wir stellen nicht nur einen Wohnplatz zur Verfügung, wir begleiten auch die jungen Menschen und versuchen sie in ihrem Selbstwertgefühl zu fördern“, sagt Christine Leopold, Präsidentin von Kolping Österreich: „Das ist unsere tägliche Aufgabe, über die wir nicht viel reden, die wir aber leben.“ In den Kolpinghäusern Linz, Steyr, Wels und Vöcklabruck wohnen Jugendliche, die sich in Schul- und Berufsausbildung befinden – insgesamt an die 900 Personen. Jugendlichen solidarisches Handeln schmackhaft zu machen ist ein weiterer Schwerpunkt, der den Geist der Kolpinghäuser prägt. Das Feld der Solidarität ist dabei weit: Das kann die gegenseitige Unterstützung beim Lernen betreffen, die Mithilfe bei Flohmärkten und Charity-Projekten oder die Teilnahme an Workcamps bei Kolpingfamilien in den Ländern des Südens.
Kolping in Oberösterreich
In Oberösterreich gibt es neun Kolpingsfamilien (61 in Österreich): Neben Linz, Steyr, Wels und Vöcklabruck sind das Braunau, Gmunden, Kirchdorf, Ried und Schärding. Unabhängig davon, ob Kolpinghäuser Jugendwohnplätze anbieten, ist das Vereinsleben ein hoher Wert für die Kolpingmitglieder. Die Kolpingfamilien verstehen sich als soziale Bildungs- und Aktionsgemeinschaften, die ihre Mitglieder motivieren, auf der Basis christlicher Werte zu leben. Die Kolpingfamilien Steyr und Linz wurden 1852 durch Adolph Kolping (1813–1865) selbst gegründet. Der Kölner Priester und Sozialreformer kannte als gelernter Schuhmacher das Elend der Gesellen. Er gründete darum Gesellenvereine, um den jungen Handwerkern in den Städten Halt zu geben. Dorthin waren sie gezogen, um Arbeit zu bekommen. Waren es lange Zeit die Handwerksgesellen, folgten die Lehrlinge und die Schüler, die Unterstützung brauchten. Heute haben sich die Anforderungen an Kolping weiter gewandelt. Nach der Maxime Kolpings „Die Not der Zeit wird euch lehren, was zu tun ist“ achtet das Kolpingwerk nun generell auf die Schwächeren in der Gesellschaft. Für die Kolpingfamilien Ried und Linz heißt das, dass sie sich für die älteren Menschen geöffnet und betreubare Wohnungen eingerichtet haben. Mit Stolz erinnert man daran, dass Alt-Landeshauptmann Erwin Wenzel seine letzten Jahre im Kolpinghaus Linz verbrachte. Kolping Österreich betreibt auch Mutter-Kind-Einrichtungen für Alleinerzieherinnen, Frauenhäuser, eine multikulturelle Wohngemeinschaft für Frauen in Not sowie Wohnhäuser und Werkstätten für Menschen mit Beeinträchtigungen.