Aug in Aug mit einem Tier: Das kann überraschen, erfreuen, aber auch erschrecken. Leserinnen und Leser haben in den letzten Wochen Bilder und Erlebnisse mit Tieren an die Redaktion gesandt. Sie erzählen von solchen Erfahrungen
(Ende der Serie "mit Tieren leben").
Ausgabe: 2013/45, Tiere, Tierserie
05.11.2013
Kinder sind wohl besonders empfänglich für das Leben mit Tieren. Die meisten Bilder, die an die Redaktion im Rahmen der Reihe „mit Tieren leben“ eingesandt wurden, zeigen Tiere mit Kindern. Kinder sind wohl am ehesten bereit, ihren Lebensraum mit dem der Tiere zu teilen – und mit ihnen staunen zu lernen über die Wunder der Schöpfung. Aber auch Erwachsene lassen sich von Tieren berühren, wenn sie oft jahrelang in enger Gemeinschaft mit tierischen Weggefährten leben. Sie gehören zum Alltag ganz natürlich dazu.
Da hat das Huhn ein Ei gelegt
Die Schulkinder, auch die jungen Mütter und Väter waren also vorne hinter dem Altar mit ihren Lieblingen aus dem Tierreich versammelt. Da waren u.a. kleine Hündchen, Hasen in ihren Körben, Meerschweinchen fein andächtig zu Füßen der Kinder gelagert – und wie die ruhig und andächtig waren! Auch die Kinder! Nach dem Evangelium habe ich kurz dargelegt, warum um das Fest des hl. Franz von Assisi herum Tiere gesegnet werden: Bei der Pflege und Achtsamkeit an Haustieren lernen wir wohl auch ein aufmerksames Verhalten den Mitmenschen gegenüber. Die Sarah, acht Jahre alt, hatte in einem Zegger auch ihr Zwerghuhn mitgebracht. Das Federvieh war ganz ruhig – bis zur Kommunionausteilung. Da hat das junge Huhn dann glatt ein Ei gelegt. Nach Hühnerart hat es dies auch hell gackernd und lobpreisend kundgetan. Natürlich zur Gaudi der Ministranten und der anderen Kinder. Auch die Gemeinde hat es mitbekommen, aber da war die hl. Messe schon bald andächtig zu Ende. Dem Lobpreis des Huhnes habe ich dann noch aus dem Sonnengesang des hl. Franz einige Strophen hinzugefügt. Kein Messbesucher hat sich aufgeregt – das kleine Ei des Huhns habe ich als Symbol unserer Dankbarkeit gedeutet. Nach Ende des Gottesdienstes bringt mir die Sarah freudestrahlend das noch warme Ei in die Sakristei als Geschenk! Ich habe dem Herrn aufrichtig gedankt – für dieses Kind und auch für die kleine Henne. Ein schönes Stück vom Leben in dieser hl. Messe, wahrhaft! Mich hat das Ereignis im Herzen tief berührt. Dank dem Herrn. Toni Mitterdorfer, Ainet in Tirol
Eva und die Hühner
Nachdem sie sich beklagt hatte, sie hätte kein eigenes Haustier, wandte sich Eva unseren Hühnern zu und begann, sie zu zähmen und zu trainieren. Ich meine, den Hühnern hat das gefallen. Maja Ströbele, Ostermiething
Binkis Botschaft
Auf dem Foto von meiner Katze Binki ist zu sehen, wie sie einem Stück Schinken entgegenspringt. Sie ist bereits 13 Jahre alt und begleitet mich und meine vier Geschwister schon fast mein halbes Leben lang. Meiner Meinung nach transportiert dieses Bild eine wichtige Botschaft: Manche Dinge im Leben sind es wert, sich dafür „auf die Füße zu stellen“. Auch in meinem Studium gab es immer wieder Herausforderungen, die es zu überwinden galt. Nun bin ich schon am Verfassen meiner Diplomarbeit und kann mich auf das Probejahr im Jahr 2014 freuen. Ohne dem großen Ziel vor Augen, eines Tages Lehrerin sein zu können, wäre ich an der einen oder anderen Prüfung bestimmt verzweifelt. Aber mit den richtigen Zielen vor Augen ist der Absprung gar nicht so schwer. Und das weiß auch meine alte Katze Binki. Magdalena, Salzburg
Das Kätzchen
Das Kätzchen nahm an einem Fragment der Statue des Konstantin in Rom sein Plätzchen ein. Es schnurrt vor sich hin und mahnt den Menschen vor seiner Überheblichkeit, größer, als er ist, zu werden. Hugo Schanovsky, Linz
Aug in Aug mit einem Löwen
Es war in Tansania an einem heißen Tag, und ich hatte im Nachbardorf zu tun. Ich wollte nicht mit dem Auto fahren, sondern den kürzeren Weg zu Fuß gehen. Es war früh am Nachmittag, der Pfad führte durch einen herrlichen Hain von Kokospalmen und blühenden Kaffeesträuchern. Über mir der tiefblaue Himmel. Die hohen Palmen mit ihren großen Früchten wiegten sich im Wind. Affen sprangen und kletterten von einem Baum zum anderen. Die Ruhe der Natur tat mir gut, und ich ging genießend den Pfad entlang. Der Pfad machte eine Linkskurve, da – fast stockte mir das Blut: Ich stand wie versteinert einem großen Löwen Aug’ in Aug’ gegenüber, in einem Abstand von ungefähr eineinhalb Meter. Schön, aber auch furchterregend war er mit seiner großen Mähne anzusehen. War er auf der Suche nach einer leckeren Beute? Sollte ich das Opfer sein? Ich schaute ihm fest in die Augen, er tat das gleiche. Ab und zu drehte er langsam den Kopf nach links und rechts, dann trafen sich unsere Blicke wieder. Langsam wurde es dunkel, die Nacht brach herein und immer noch standen wir uns regungslos gegenüber. Ich musste eine Entscheidung treffen. Ich fasste Mut und ging leise und so langsam wie möglich rückwärts, bis ich um die Kurve war. Dann lief ich, was die Kraft mir gab, nach Hause. Erst als sich in mir die große Anspannung löste, wurde mir bewusst, in welch großer Gefahr ich gewesen war. Wie kaum zuvor wurde mir bewusst, dass mir ein schützender Engel mit auf dem Weg gegeben war und mir ins Leben mitgegeben ist.
Zum Thema
König Löwe und Friedenstaube?
Das hochnäsige Kamel, der edle Adler, der listige Fuchs, die dumme Gans – das sind vermenschlichende Attribute, die wir in der Tradition des 19. Jahrhunderts den Tieren zugemutet haben. Die Wahrheit sieht anders aus: Der Löwe ist nicht König der Tiere, denn seine Weibchen jagen die Beute, von der er frisst – und oft sind es Hyänen, die dem Rudel das Festmahl streitig machen. Der Hirsch ist nicht der König des Waldes, denn Wölfe und Bären, sofern sie die menschliche Verfolgung überlebt haben, sind ernst zu nehmende Gegner. Auch der Adler, der römischen Legionen als Symbol der Stärke und Unbesiegbarkeit vorangetragen wurde und in der Heraldik eine bedeutende Rolle spielt, ist nicht der König der Lüfte, denn der Bartgeier ist mit seiner Flügelspannweite von fast drei Metern deutlich größer. Und welche irrationalen Eigenschaften leiten wir aus den Tierkreiszeichen ab? Da werden ein Löwe-Geborener zum „Mister Charming“ und ein Steinbock zum geborenen Unternehmer. Auch die weiße Friedenstaube eignet sich nur bedingt dafür, denn im innerartlichen Verkehr sind diese Vögel keineswegs friedfertig, sondern aggressiv und angriffslustig. Also wäre es richtiger, Tiere in ihrer Anpassung an bestimmte Umweltbedingungen zu verstehen, ohne sie vermenschlichend positiv oder negativ zu bewerten.
Dr. Michael Martys, Direktor des Alpenzoos Innsbruck-Tirol
Zur Serie "mit Tieren leben".
Zu Tierbildern und -geschichten, eingesendet von unseren Leser/innen.