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Der Rucksack armer Kinder

Eine halbe Million Menschen sind in Öster­reich arm. Eine weitere halbe Million lebt in Gefahr, arm zu werden. – Zur Caritas kommen täglich Menschen, die finanziell und psychisch anstehen. Oft können sie in ihrer Familie nicht für das Übliche sorgen. Ihre Kinder hängen mit in der Armutsfalle.
Ausgabe: 2013/46, Armut, Caritas
12.11.2013
- Ernst Gansinger
© Halfpoint - Fotolia
„Die Anforderungen an die Familien steigen, das Verständnis vor allem für die Bedürfnisse der Kinder sinkt“, drückte es der Direktor der Caritas Salzburg, Johannes Dines, aus. Der ­Direktor der Caritas Oberösterreich, Franz Kehrer, weist darauf hin, dass Kindern aus armen Familien ein Rucksack Armut aufgebürdet wird. Es sei nicht leicht, dass sie sich in ihrem späteren Leben von diesem Rucksack befreien.

Elend ist nicht zu verbergen


Die Geschäftsführerin der Caritas für Menschen in Not in der Diözese Linz, Mag. Alexandra Riegler-Klinger, nennt einige Zutaten dieses schweren Rucksacks: Kinder aus armen Familien bekommen Bereiche mit, die man sonst nicht mit Kindern bespricht, etwa dass hinten und vorne der materielle Schuh drückt. Die Eltern – oder oft sind es alleinerziehende Mütter – können sich noch so bemühen, das Elend zu verbergen, die Kinder bekommen es mit. Dabei mag das äußere Bild täuschen: Man könne sich halbwegs ordentlich kleiden, auch wenn man arm ist. Die Armut wirkt oft anders. Sie könne zum Beispiel ein auffälliges Sozialverhalten zur Folge haben – etwa, dass das Kind sehr nahe kommt, weil es daheim nicht gelernt hat, Distanz zu wahren. Etwa dass Kinder in der Schule außerordentliche Aufgaben nicht erfülen. Wären Blätter im Herbst zu sammeln, haben sie darauf vergessen. Ihnen mangelt es an Unterstützung durch Eltern, denn diese sind selber überfordert.
 

Beschämend


Unternimmt die Schule etwas, wofür extra zu zahlen ist, fallen arme Kinder meist nicht auf. Sie scheuen sich zuzugeben: Das kann sich meine Mutter nicht leisten. Statt dessen würden oft sozial erwünschte Ausreden vorgebracht, sagt Riegler-Klinger. Etwa „Schifahren ist eh nicht mehr in“, wenn ein Skikurs ansteht. An vielen Schulen gäbe es Fonds zur Unterstützung sozial schwacher Schüler/innen. Doch machen Lehrer/innen die Erfahrung, dass Bedürftige selten um Unterstützung ersuchen. „Das ist ja auch etwas Beschämendes.“ Es würde die Armut, die man verheimlichen will, öffentlich machen.

„Nebenwirkungen“


In einem solchen Armuts-Klima aufzuwachsen, ist ein großes Packerl für die Zukunft. Caritas-Direktor Franz Kehrer sagt, dass damit „nicht nur die Armut in unserer Gesellschaft weiter wächst, sondern auch ihre schlimmen Nebenwirkungen wie berufliche Perspektivenlosigkeit, Beziehungsarmut bis hin zur Isolation, psychischen Erkrankung und erhöhten Suchtgefahr wachsen“.


Zum Thema

Familie und Politik


Kluge Politik muss die Armut wirkungsvoll bekämpfen, meint Caritas-Direktor Franz Kehrer.
Er nennt Maßnahmen.

Beruf und Familie. Alleinerziehende hätten es oft schwer, eine Arbeit zu finden, von der sie leben können und die mit der Kinderbetreuung vereinbar ist. Es braucht daher weitere Investitionen in Kinderbetreuungseinrichtungen und familienfreundliche Arbeitsplätze.

Unterstützung. Die staatliche Unterstützung für Familien muss regelmäßig den Lebenshaltungskosten angepasst werden.

Schulische Förderung.
Kinder aus armen Familien sollen nicht auch noch Geld für Nachhilfe ausgeben müssen.

Wohnen. Wohnen muss leistbar bleiben. Wohnbaufördermittel sollen wieder zweckgebunden und Mietpreise begrenzt werden.
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