Am 15. Jänner 2014 tritt er sein Amt an, schon jetzt macht er sich mit Linz vertraut: der designierte kaufmännische Direktor des Linzer Musiktheaters Uwe Schmitz-Gielsdorf. Seine Linz-Besuche führen ihn auch in die Eremitage des Linzer Domturms. Im Interview sprüht er vor Ideen.
Der Bau des Linzer Musiktheaters wird im deutschen Sprachraum vielfach als „Sensation“ gewertet, der Besucherstrom ist enorm groß. Wie lässt sich das Interesse in Zukunft halten? Uwe Schmitz-Gielsdorf: Das Haus genießt eine unglaubliche hohe Attraktivität. Das ist zudem der gelungenen Architektur geschuldet und dem Faktor, dass es sich um einen Neubau handelt, der eine lange Geschichte hat. Dass sich nun viele das Haus ansehen wollen, verstehe ich. Genau dieser Neubau hat aber auch einen Quantensprung an künstlerischer Qualität ermöglicht – und diese hohe Attraktivität bleibt und setzt sich fort bei all denen, die schon einmal hier waren.
In der vergangenen Saison haben willige Abonnent/innen oft wochenlang auf ihre Karten gewartet. Wie möchten Sie den Kartenverkauf verbessern und ankurbeln? Beim Aboservice sind Verbesserungen notwendig, die Türen sollen offen sein und man soll rasch zu Karten kommen. Für Neuabonnenten werden wir uns neue Formen überlegen. Da geht es um die Möglichkeit, ohne lange Wartezeiten zu den gewünschten Informationen und Karten zu kommen. Und ich möchte alles dafür unternehmen, dass Leute aus nah und fern – auch aus Tschechien – wenigstens einmal im Jahr ins Theater kommen und dann zu „Liebhabern“ des Theaters werden. Ich kann mir auch Leser-Reisen mit einem Exklusiv-Konzert vorstellen und besondere Programme für Kleinkinder und ihre Eltern.
Die Akustik des Hauses wird von den einen gelobt, von anderen als „zu schwammig, teigig“ kritisiert. Wie beurteilen Sie die Hörqualitäten? Ich halte die Akustik für unvergleichlich. Dirigent Dennis Russell Davies hat sie mit Bayreuth verglichen. Dass man nun überhaupt in diesen Kategorien denken kann, zeigt schon den Unterschied zu früher. Zudem können jetzt Werke von Richard Wagner und Richard Strauß in der vorgesehenen Besetzungsstärke gespielt werden, was vorher undenkbar war. Im alten Haus war dafür kein Platz im Orchestergraben. Das Repertoire wird nun nicht mehr durch die Größe des Grabens eingeschränkt. Ich behaupte allerdings nicht, dass es keine Unterschiede in der Hörqualität gibt. Das ist in allen Opernhäusern so: Wer unmittelbar in der Nähe der Blechbläser sitzt, wird diese dominant hören.
Was ist das Besondere, wenn man von der Bühne aus in die Zuschauerränge blickt? Der Zuschauerraum wird als ein Raum wahrgenommen. Das Publikum sitzt nicht in Logen versteckt, unterteilt in kleine Gruppen, sondern wird als eine große Gruppe erlebt. Alle – über 1000 Leute – sitzen wie an einem Tisch. Theater soll Gemeinschaft stiften. – Ich denke, das gelingt hier sehr gut.
Wenn Sie einmal viel Zeit haben, dann ... Ja, dann wäre ich gerne einmal Turmeremit im Linzer Mariendom. Für mich ist es produktiv, hin und wieder einen großen Abstand zur Welt zu suchen. Der Ausblick von dort oben aus 68 m Höhe in alle Himmelsrichtungen und in die Tiefe ist schwindelerregend. Da übt sich ein Turmeremit im Gleichgewicht.