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Alte Spuren, überwucherte Steige, neue Wege

Prof. Fritz Winkler lebte mit Familie über 40 Jahre in Guglwald an der Grenze zu Südböhmen. Lange Zeit trennte ein „Eiserner Vorhang“ drüben und hüben. Winkler, viele Jahre Lehrer von Guglwald und Bürgermeister von Schönegg sowie Bezirksschulinspektor, geht Grenzspuren nach.
Ausgabe: 2013/46, Winkler, Tschechien, Grenze, Niemandsland
12.11.2013
- Ernst Gansinger
Das Mühlviertel und Südböhmen verbinden alte Spuren und neue Wege, wie die vor Kurzem zu Ende gegangene Landesausstellung aufzeigte. Mehr als 40 Jahre aber war hier ein „Eiserner Vorhang“, der kaum Kontakte zuließ. Dennoch fand ein bisschen Austausch statt. Von Spuren vor allem dieser Trennungszeit und sich daraus entwickelnden neuen Wegen erzählen Fritz Winkler und seine Frau Ingeborg. Beide unterrichteten viele Jahre an der zweiklassigen Schule von Guglwald.

Kirche und Häuser wurden gesprengt.


In einer Zeit, in der die deutsche Bevölkerung aus der Tschechoslowakei vertrieben wurde, konnten noch bis 1948 vier Männer aus Guglwald ohne große Kontrollen über die Grenze nach Südböhmen arbeiten gehen. Auch Bauern, die jenseits der Grenze Felder hatten, bestellten diese bis 1948. Mit einem Schlag war das dann vorbei. Am 25. Februar 1948 haben die Kommunisten die Macht ergriffen. Familie Winkler hat damals noch nicht in Guglwald gelebt, sie kam erst 1954/1955 nach Guglwald. Damals sind jenseits der Grenze noch Häuser gestanden und die Kirche der Pfarre Kapellen auch. Als Heimatforscher hat Prof. Winkler aber viele Erinnerungen aus dem Grenzraum zusammengetragen. Persönlich wurden die Winklers Zeugen der Sprengungen der Häuser und der Kirche von Kapellen auf tschechischem Gebiet. Es war im Juni 1959. Das Grenzland wurde zum Niemandsland, es war militärisches Sperrgebiet. Keiner wagte einen Fuß über die Grenze zu setzen, denn sie war etwas Gefährliches. Einmal ist ein Auswärtiger über die Grenze in die Tschechoslowakei geraten. Dort wurde er festgenommen und nach drei Tagen in Freistadt österreichischen Beamten übergeben.  

Illegaler Grenzübertritt eines Hundes


Die Grenze ließ sich nicht gänzlich dichtmachen. Eines Tages lag in der Garage eines Bauernhofes ein fremder Schäferhund. Der Bauer rief in der Gemeinde an. Diese soll den Hund abholen, denn er, der Bauer, gehe keinesfalls „zum Hund zuwi“. Winklers Frau Ingeborg, die sich mit Hunden auskannte, ging zum Hund, streichelte ihn, und das Tier stand auf und folgte ihr. Er war ausgehungert und am Verdursten. Weil der Hund ein eigenartiges Halsband hatte, vermutete man rasch, es handle sich um den Hund eines tschechischen Grenzsoldaten. So wurde offizieller Kontakt aufgenommen. Bis zur Klärung lebte der Hund, ohne irgendwelche Probleme zu machen, bei Familie Winkler. Die Vermutung wurde schließlich bestätigt, und nach einer Woche übergaben die Winklers den Hund an einem Grenzstein den Tschechen. Als ihn dessen Herrchen „Harro“ rief, lief er schwanzwedelnd über die Grenze. Sein „illegaler  Grenzübertritt“ fand ein gutes Ende.

Vor ihren Augen erschossen.


Kein gutes Ende fand hingegen ein von Winkler beobachteter Versuch von Personen, bei Guglwald nach Österreich zu fliehen. Die tschechischen Grenzsoldaten schossen ihnen hinterher. Sie blieben liegen. Später wurden sie weggetragen. Keine Schüsse fielen dann im Dezember 1989. Der Eiserne Vorhang hatte ausgedient.

Der Weg wird gepflegt.


Als Bürgermeister suchte Winkler schon vor der Grenzöffnung Kontakt zu Amtskollegen jenseits der Grenze. Etwa mit Bürgermeister Stoiber von Heuraffl. Feuerwehren von drüben und hüben trafen sich, ebenfalls vor der Grenzöffnung, zum freundschaftlichen Austausch. Diese Kontakte wurden nach der Grenzöffnung vertieft. Noch heute werden die Winklers eingeladen, wenn ein Freund aus vergangenen Zeiten in Tschechien zu Grabe getragen wird. Fritz Winklers Trauerrede am Grab wird von seiner Frau Ingeborg übersetzt. Seit Jahren besucht sie ­einen Tschechisch-Kurs, damit die Verständigung besser funktioniert. Eine Verständigung, die weit über das Sprachliche hinaus – und trotz oft fehlender Sprachkenntnisse – nun selbstverständlich geworden ist. Alte Spuren und die Pflege überwucherter Steige zueinander in schwierigen Zeiten machen jetzt neue Wege möglich.
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