„Es geht um geklärte, differenzierte Beziehungen zwischen Religion und Politik, Kirche und Staat“ sagte Hochschulprofessor Ferdinand Reisinger (Stiftsdechant von St. Florian) bei der Veranstaltung „Kirche und Politik – Der Staat als ‘Dienerin Gottes’ oder als ‘Große Hure’?“ am 19. Oktober 1998 im Linzer Ursulinenhof. Bei dieser Veranstaltung in der ökumenischen Reihe „Stolpersteine in der Bibel“ hätte auch die Superintendentin des Burgenlandes Mag. Gertraud Knoll auftreten sollen, sie erkrankte aber leider.Prof. Reisinger zitierte Kurt Sontheimer: „Der Unterschied zwischen Kirche und Politik darf im Interesse beider nicht aufgehoben werden“. Diesen Satz ergänzte der Referent: „Kirche(n) bzw. Glaubenszeugen, die um die eigene Sendung (und Kompetenz) als Glaubende wissen, können der Politik das geben, was sie verdient.“ Prof. Reisinger lenkte in einem zweiten Schritt das Augenmerk auf biblische Positionen: Gott mehr gehorchen als den Menschen (Apg 5, 29), der schuldige Gehorsam gegenüber der Obrigkeit (Röm 13, 1-7), die totalitäre, widergöttliche Macht wird fallen (Apk 13 und 17). Die christliche, kirchliche Aufgabe ist eine spezifische und gerade dadurch spezifisch politische, sagte Prof. Reisinger: Christen sind „nicht weltflüchtig, sondern welttüchtig“. Eine Haltung, die aus der Überzeugung kommt, „daß Politik wichtig ist, daß sie aber nicht alles (ist und) sein darf.“