Die Podiumsdiskussion des Internationalen Versöhnungsbundes am 26. Oktober in Linz (wir berichteten schon kurz) .stand unter dem Motto „Aktive Friedenspolitik und die Neutralität Österreichs“. Renate Schoch von der „Gruppe Schweiz ohne Armee“, nannte die Schweizer Neutralität einen lahmen Gaul. Neutralität aber, und das war eine von allen Diskutanten mitgetragene Position, Neutralität ist ohne Solidarität nicht denkbar. Dr. Severin Renoldner, Vizepräsident von Pax Christi Österreich, trat für eine aktive Neutralitätspolitik als Friedenspolitik ein. Würde Neutralität mit Heraushaltung verwechselt, könnte er dem nichts abgewinnen. Neutralität schaffe den Freiraum gegen den internationalen Interventionismus, stärke den Widerstand gegen ein europäisches Festhalten an den Atomwaffen und halte militärische Haushaltsausgaben möglichst nieder.Dem hielt Dr. Wolfgang Palaver, Moraltheologe aus Innsbruck und Vorgänger von Renoldner bei Pax Christi, entgegen: Die starre Orientierung an der Neutralität bringe uns der christlichen Utopie Gewaltfreiheit nicht näher. „Die christliche Gewaltfreiheit und die klassische Neutralität sind keine natürlichen Verbündeten, eher Gegner“, formulierte er und setzte nach: „NATO alt und Neutralität sind Geschwister einer vergangenen Zeit.“ Er meinte die Zeit des kalten Krieges. Wichtiger als der Einsatz für die Neutralität sei der für die Gewaltfreiheit. Die zivilen Friedensdienste müßten verstärkt werden. Dies forderte übrigens auch Bischof Maximilian bei der 10-Jahres-Feier von Pax Christi OÖ. .Der vierte Referent des Abends, Dr. Ekkehard Krippendorf, Professor an der Freien Universität Berlin, betonte dagegen wieder den Wert der Neutralität: „Die Staatengemeinschaft braucht die Neutralität, um Auswege aus der selbstzerstörerischen Irrationalität der Kriege zu haben.“ Er gestand aber auch ein: „Wir tun uns schwer, Modelle zu entwickeln, was eine zivile Außenpolitik machen könnte.“ Neutralität wäre eine Möglichkeit, diese Würde von Außenpolitik wieder zu entdecken.