Die Katholische Jungschar träumt von einem „Männerministerium”
Ausgabe: 1998/49, Mannsbilder
02.12.1998
- Markus Hager
Väter, die für das Essen sorgen, während die Mama das Auto wäscht und die Steuererklärung ausfüllt? Nicht um eine Trendumkehr, sondern um ein neues Miteinander soll es in Zukunft gehen. Unter dem Titel „O mein Papa war eine wunderbare Clown“ veranstaltete die Kath. Jungschar Österreichs mit den Kinder- und Jugendanwaltschaften sowie der Männerberatung Wien ein Symposion. Drei Funktionen wurden von Dr. Beate Minsel vom Staatsinstitut für Frühpädagogik in München für Väter festgehalten: Die Brotverdienerfunktion, die Versorgerfunktion und die Beziehungsfunktion. Obwohl sich heutige Väter selber anders einschätzen, beschränken sie sich in der Realität nach wie vor vornehmlich auf die Brotverdienerfunktion in der Familie, während die Beziehungsfunktion fast gänzlich verschwindet. Dr. Erich Lehner, Sozialwissenschafter am Dr.-Ludwig-Boltzmann-Institut, glaubt dafür auch den Grund zu wissen. Für Männer ist der Beruf das Wichtigste, weil Männer fast ausschließlich über den Beruf Wertschätzung und Anerkennung beziehen. Daher liegt der Grund für dieses Vaterbild im gesellschaftlichen Bild eines Mannes: sich durchsetzen können, erfolgreich mächtig und (sexuell) aktiv zu sein. Daher ist es auch nicht verwunderlich, wenn Katharina Novy als gesellschaftspolitische Referentin der Kath. Jungschar feststellt, daß Männer, welche ihren Beruf verlieren, trotz ihres größeren Zeitbudgets sich kaum mit Versorgungsarbeiten beschäftigen. Sie stehen auch nicht vermehrt als Bezugsperson für ihre Kinder zur Verfügung. Besonders problematisch ist, daß das vorgelebte Vaterbild von den Buben weitgehend für ihr eigenes künftiges Mann- bzw. Vatersein übernommen wird. Daher wurden von der KJS staatliche Maßnahmen eingefordert, welche zumindest die Rahmenbedingungen verbessern, wie Änderung der Karenzregelung und der Arbeitszeiten. Doch all dies wird wenig nützen, wenn nicht die Jetzt-Männer und Jetzt-Väter bereit sind, ihr eigenes Mann- bzw. Vaterbild zu überprüfen. Daher geht eine Forderung auch in Richtung Bildungsarbeit für Männer, am besten koordiniert von einem eigenen „Männerministerium“. Biologisch gesehen gibt es keine Gründe, welche dem Mann nicht ermöglichen, auch Beziehungsfunktionen in der Familie zu übernehmen und Ansprechpartner bei Problemen und Anliegen zu sein, bei Angst vor dem Zahnarzt, der ersten Liebe usw.