Einmal wird es mit dieser Welt zu Ende sein. Niemand kennt diesen Tag, auch nicht die vielen selbsternannten Unheilspropheten und sektiererischen Weissager, die vor dem baldigen Jahrtausendwechsel derzeit Hochkonjunktur haben. Ohne Recht sprechen sie vom Ende der Welt, berechnen phantasievolle Daten und beschwören innere Ängste. Manche Menschen lassen sich davon beeindrucken und machen sich selbst damit unfrei. Anderen ist das Gespür für die Vergänglichkeit von Leben und Welt ganz abhanden gekommen. Ohne Gedanken daran, sich jemals rechtfertigen zu müssen, stürzen sie sich in ihre Tage und verleben ihr Leben. Menschen, die im Geist des Evangeliums leben, könnten ihr Leben als andauernden Advent verstehen. Er, Jesus Christus, versprach, eines Tages erneut anwesend zu sein. Sein Kommen gilt es zu erwarten und sich darauf einzustimmen. Jeder vorweihnachtliche Advent erinnert also zugleich an den „großen Advent“, an die Erwartung von Gottes Ankunft. Sowohl nach meinem persönlichen Leben wird es diese Erfahrung geben, aber auch für das ganze Universum. Dann wird alle Hoffnung erfüllt, alles Warten beendet, alle Endlichkeit vorbei sein. Mit Vertröstung auf das Jenseits hat solcher Glaube nichts zu tun. Es ist vielmehr die Verankerung meines tagtäglichen Tuns in einem größeren Zusammenhang. Adventliche Menschen wissen sich eingebettet in den größeren Rahmen jener Wirklichkeit, für die es sich lohnt, entschieden zu leben. Mit der Entscheidung, wie ich in diesem Leben lebe, treffe ich eine persönliche Vorentscheidung für den größeren Rahmen.Entscheidungen treffen, damit tun sich viele schwer. Die Zeit des Advents bietet Gelegenheit dazu: Ich will mich täglich entscheiden, meinen Blick auf den größeren Zusammenhang zu weiten. Das Knäblein in der Krippe, das hinter bunten Adventkalenderfenstern auftaucht – so haben es viele gerne. Aber diese Verkleinerungen werden der adventlichen Botschaft und Herausforderung nicht gerecht. Einübung ist gefragt, Ernsthaftigkeit und Entscheidung. Dann wird der Advent weiterreichen als bis zum Weihnachtsabend. Der größere Rahmen geht mit ins neue Jahr und wird – wenn ich die Chance nutze – zur Grundentscheidung für den „großen Advent“.Elend oder Wohlstand, Gerechtigkeit oder Unrecht, Liebe oder Gleichgültigkeit, Toleranz oder Haß, Nächstenliebe oder Egoismus – das sind die Prüfsteine, die für den großen Advent zählen. Danach wird bei Gottes Ankunft gefragt. Nicht nach unserem Brauchtum.