Österreichs Friedensdiener arbeiten mit Alternativ Nobelpreisträgerin
Ausgabe: 1998/50, Kroatien, Friedensdiener
09.12.1998
- Walter Achleitner
Für ihren Einsatz gegen den Krieg in Kroatien und für Versöhnung zwischen Kroaten und Serben werden zwei Frauen mit dem Alternativ-Nobelpreis ausgezeichnet. Österreichs Friedensdiener freuen sich mit Katarina Kruhonja, der Gründerin des „Zentrums für Frieden“ in Osijek.Zwei Friedensdiener aus Österreich sind derzeit im „Zentrum für Frieden“ in Osijek tätig, dessen Gründerin Dr. Katarina Kruhonja am 9. Dezember mit dem Alternativ-Nobelpreis 1998 ausgezeichnet wird. Gemeinsam mit Vesna Terselic von der Anti-Kriegs-Kampagne in Zagreb erhalten damit zwei Frauen aus Kroatien für ihren herausragenden Einsatz für Frieden und Versöhnung eine der bedeutendsten internationalen Auszeichnungen. Gleichzeitig gilt die Auszeichnung auch jenen Friedensbewegungen, wie es die Jury in ihrer Begründung formuliert, „die diese Frauen inspiriert haben“.„Auch für unsere Arbeit ist das eine Bestätigung“, meint Markus Pühringer vom Österreichischen Friedensdienst (ÖFD). „Denn seit vier Jahren arbeiten wir intensiv mit Frau Kruhonja zusammen.“ Die Idee zum Aufbau des „Centar za mir“ entstand in einem Bunker, als der Krieg um Osijek gerade in seiner brutalsten Phase war. „Unser Ziel war die Alternative zum gewalttätigen Konflikt. Gegen die ethnische, religiöse, politische und ideologische Zersplitterung unserer Gesellschaft, die der Krieg hervorgebracht hat“, sagt Kruhonja. Wenige Monate später, im Mai 1992, hatte das Zentrum bereits seine Arbeit aufgenommen. Schwerpunkt ist auch heute noch die individuelle Hilfe für Vertriebene und Flüchtlinge sowie für Frauen und Kinder. Über 5700 Personen haben seither im Menschenrechtsbüro juristische Hilfe erfahren. Und an Programmen für Friedenserziehung beteiligten sich bereits 500 Lehrer und 4600 Schüler.Gespräch heilt WundenGroße Hoffnung setzt die Alternativ-Nobelpreisträgerin nun in die Arbeit neuer „Friedens-Teams“. Die dreiköpfigen Gruppen, bestehend aus einem internationalen Mitglied und je einem Serben und Kroaten, sollen in den Dörfern den Neuanfang begleiten. Pühringer: „Die Menschen sollen die Möglichkeit erhalten, ihre Kriegserfahrungen zu erzählen. Das Gespräch heilt Wunden.“ Und die Rückkehr Vertriebener und Flüchtlinge führt zu neuen Konflikten, „die es offiziell nicht geben darf“, sagt Pühringer. Denn oft beginnen die Rückkehrer schon am Haus zu arbeiten, während die „Neuen“ noch darin wohnen und nicht wissen, wohin sie gehen sollen. „Ohne Vermittlung geht da gar nichts.“Der Alternativ-NobelpreisMit dem Nobelpreis würden zwar Menschen geehrt, die der Menschheit den größten Nutzen gebracht haben, doch zwei entscheidende Bereiche für die Zukunft der Welt werden übersehen, meint Jakob von Uexkull: Ökologie und die Interessen der Armen, die die Mehrheit der Weltbevölkerung darstellen. Darum verkaufte der renommierte schwedisch-deutsche Philatelist 1980 seine wertvollsten Briefmarken und legte damit den Grundstein für den „Preis für die richtigen Lebensführung“ – Right Livelihood Award, wie der Alternativ-Nobelpreis offiziell heißt. 75 Einzelpersonen und Gruppen aus 60 Ländern wurden seither von einer internationalen Jury dafür geehrt, daß sie den Menschen vor den Profit stellen, Frieden stiften oder sich beispielhaft für Gesundheit und Ökologie einsetzen. Die mit 2,7 Millionen Schilling dotierte Auszeichnung wird jährlich auf drei bis vier Personen aufgeteilt. Die Verleihung erfolgt im Schwedischen Parlament am 9. Dezember, einen Tag vor der Nobelpreisverleihung.Informationen: Österreichischer Friedensdienst, Mengerstraße 23, 4040 LinzHintergrundBabynahrungMit dem Alternativ-Nobel-preis 1998 wird auch das „Internationale Netzwerk für Babynahrung“ (IBFAN) ausgezeichnet. 150 Organisationen in 90 Staaten kämpfen seit 20 Jahren gegen den Mißbrauch von Muttermilch-Ersatznahrung. Ein Erfolg der Initiative ist der internationale Verhaltenskodex zur Vermarktung von Milchpulver. Demnach sollte „Stillen als die bessere Alternative“ ausdrücklich auf jeder Verpackung ausgewiesen werden. In Ländern mit hoher Analphabetenrate und Dutzenden regionalen Sprachen jedoch zwecklos, solange die Multis auf Schleichwegen Mütter und Gesundheitspersonal hofieren. Das Kinderhilfswerk der Vereinten Nationen (UNICEF) schätzt, daß weltweit jährlich mehr als 1,5 Millionen Säuglinge sterben, weil sie nicht gestillt werden. Österreich ist in diesem Netzwerk mit Sitz in London nicht vertreten.KrebsforschungDer US-amerikanische Krebsforscher Samuel Epstein erhält den Alternativ-Nobel-preis für sein Leben, in dem er Forschung und den Einsatz zur Veränderung der Welt beispielhaft verbindet. In seiner wissenschaftlichen Arbeit hat er den Zusammenhang von Umweltgiften und Krebserkrankungen aufgezeigt und die „Koalition zur Krebsverhütung“ (CPC) gegründet. Epstein hat die Gesetzgeber in den USA, aber auch in der EU mehrmals zum Handeln gezwungen, zuletzt beim Verbot synthetischer Hormone in der Milchviehzucht. StaudämmeIm Kampf gegen die Zerstörung der Umwelt wird Juan Pablo Orrego und die von ihm gegründete „Aktionsgruppe für den Biobío“ ausgezeichnet. Seit 1991 versuchen die Umweltschützer Staudammbauten am Biobío-Fluß zu verhindern. „Sie haben die Diskussion über nachhaltige Entwicklung im Herzen der chilenischen Gesellschaft verankert“, urteilt die Jury.