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Unser Herz ist voller Wünsche

Kommentar zum Sonntag
Ausgabe: 1998/50, Evangelienkommentar
10.12.1998
- Hanne Rose Koch-Holzer
In der Beschäftigung mit dem Jesajatext stand mir plötzlich das Bild des Herzens vor Augen. Unser Herz ist voller Wünsche, besonders in der Weihnachtszeit. Bei Kindern sind diese Wünsche oft sehr nach außen gerichtet, die Erfahrung des Beschenktwerdens als Ausdruck der Liebe und Wertschätzung mag vielleicht auch oft ins Hintertreffen geraten. Die Wünsche Erwachsener richten sich auf Ruhe und Entspannung, Harmonie, Zeithaben füreinander, konfliktloses Zusammensein in der Familie. Vielleicht erfaßt uns ein Hauch von Melancholie, die Kindheit wird verklärt und mit Abstand gesehen – war es denn nicht eine Zeit der Sorglosigkeit und der Offenheit, eines großen Vertrauens ins Leben, des Erlebens, geborgen und geliebt zu sein? Zu Weihnachten verdichten sich diese Erfahrungen, wir suchen zutiefst in unserem Herzen das Kind, C. G. Jung nennt es das „Göttliche Kind“. Unsere Begrenztheit ist der Ort, wo wir uns nach dem Kind sehnen, in die Leere unseres Herzens kann der kommen, der alles Leben hat.Die große Verheißung„Die Wüste soll blühen; die Augen der Blinden werden aufgetan.“ Ob die Worte des Propheten damals die Menschen in ihrem Herzen traf? Die Betroffenen eines Volkes, das geschlagen war, ein Volk im Exil, es mußte erneut das Schicksal der Fremde erleiden. Fremde bedeutete Not und Sklaverei, und die Not des Exils erschütterte auch die alten Sicherheiten des Glaubens und des Vertrauens in Gott, der sein Volk aus Ägypten geführt hatte, um ihm ein neues Land zu geben. In diese Situation hinein verkündet der Prophet die Wende. Die Botschaft des Propheten hat als innere Mitte den Satz: „Seht, hier ist euer Gott!“ Gott schafft Heil für sein Volk, damit aber zugleich für alle Völker, für die ganze Erde. Die hier lebensfeindliche Wüste wird zum lebenden Garten, zum Paradies. Es ist keine kleine Wende, es ist eine radikale Veränderung, die äußerste Not wandelt sich zur Fülle des Gu-ten. Das kann allen Menschen Mut machen, die sich in ihrem Herzen von dem Prophetenwort berühren lassen, die Verzagten und Resignierten können mutig Schritte in eine neue Zukunft gehen, weil Gott mit ihnen ist. Die Wüste und die blühende Wüste – Bilder für unser Leben, unser Herz wird gefüllt und kann aufblühen, wenn wir es diesem Gott nur zutrauen . . .„Bist du der Erwartete?“Johannes läßt Jesus aus dem Gefängnis heraus fragen: „Bist du der, der kommen soll?“ Jesus antwortete nicht mit ja oder nein, sondern: „Berichtet Johannes, was ihr hört: Blinde sehen wieder, und Lahme gehen . . .“ Jesus zitiert die Heilsbotschaft des Jesaja, diese hat Johannes wohl verstanden: Jesus ist wirklich der erwartete Messias, doch nicht als strenger Richter, wie ihn Johannes angekündigt hatte, sondern so, wie ihn Jesaja vorausgesagt hatte. Jesus ist wirklich in die Leere unserer Herzen gekommen, er traute und traut den Menschen etwas zu, wenn wir an die vielen Geschichten des NT denken – wo Menschen Jesus begegnen, da verwandelt er sie, da wendet er ihre Not, da gewinnen sie neue Lebensmöglichkeiten.
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