Stillste Zeit, nennen sie den Advent. Zugleich setzen jene, die diese Bezeichnung verwenden, sie meist gleichzeitig unter gedankliche Anführungszeichen. Von Stille keine Spur. Denen am Punschstand, denen im Kaufrausch, denen im Keksfieber, denen im Bastelstreß bleibt der Wunsch nach Ruhe, die Hoffnung auf Stille. Wie oft jage ich dem falschen Advent nach und spüre gleichzeitig, daß es doch um etwas anderes geht? Innere Gefühle stellen sich ein: das Gefühl der Leere und Sinnlosigkeit inmitten des Trubels. Gleichzeitig taucht der Wunsch auf, Sinn zu bekommen. Einen ruhenden Pol im Leben zu haben. Wie wenig befriedigt es, auf das HABEN zu achten und das SEIN zu vernachlässigen?Suchend und unruhig ist das Herz des Menschen bis es Ruhe findet bei Gott. Diese Erkenntnis des hl. Augustinus kann gar nicht oft genug zitiert werden. Wie soll die begrenzte Erfahrung eines Menschenlebens Lebenssinn geben, der über den Tod hinausreicht? Wie soll die Erde, die neben ihren Schönheiten und Wundern auch Elend und Leid kennt, umfassende Erfüllung schenken? Nacht-Erfahrungen, Ängste und Zweifel prägen sich ein. Glücks-angebote von allen Seiten umlagern uns. Gurus verkaufen Sinn, Supermärkte befriedigen Sehn-Süchte. Letztlich bleibt die Sehnsucht der Seele unerfüllt.Gottes Antwort auf die Sehnsucht des Menschen ist seine Hingabe. Gott gibt sich dem Menschen hin als Kind in der Krippe und später als Unverstandener. Nicht der sichtbare Erfolg ist sein Aushängeschild. Gott stiftet Sinn im Unscheinbaren und Kleinen, läßt sich von denen finden, die ihn suchen.Suche. Ein Wort, das rund um Weihnachten oft auftaucht: Josef und Maria auf Herbergssuche. Die Hirten, die das Kind in Betlehem suchen. Die Weisen aus dem Morgenland auf der Suche nach dem neugeborenen König. Die Heilige Familie auf der Suche nach Asyl. Menschen machen sich auf den Weg. Sie brechen auf, um Besseres zu finden. „Alles beginnt mit der Sehnsucht“, sagt Nelly Sachs. Innere Rufe spüren und losgehen, darauf kommt es an.Stillstand verträgt sich nicht mit Sehnsucht. Liebende, die sich aufeinander freuen und nacheinander sehnen, sind kaum zu halten. Unruhe, Ungeduld, Entgegengehen sind Liebesbeweise, nicht sitzen und warten. Viele verklären den Advent zur stillsten Zeit und meinen das Gefühl der warmen Stube. In Wahrheit ist Aufbruch angesagt: „Jesus, menschgewordener Gott, Dich will ich suchen. Nicht als herziges geschnitztes Jesulein im Kripperl unter dem Baum. Sondern als den, der meinem Leben Sinn gibt.“