Unsere Wege haben sich gekreuzt. So beschreibt die Sprache das Zusammentreffen von Menschen, die etwas miteinander zu tun haben. Damals, in der ersten Heiligen Nacht hat sich im Stall von Betlehem der Weg Gottes mit dem Weg der Menschen gekreuzt. Nicht zufällig, sondern gewollt. Gott nimmt in seinem Sohn Jesus den Weg des Menschen. Er durchkreuzt die Pläne der Mächtigen, Selbstgerechten und religiösen Führer solange, bis er am Kreuz stirbt. Von der Krippe draußen vor der Stadt ans Kreuz draußen vor der Stadt führt Jesu Weg in dieser Welt. Doch Gott hat den Menschen noch nie aufgegeben, davon erzählt jüdische-christliche Heilsgeschichte vom ersten Tag der Schöpfung an. Er bleibt unterwegs auf uns zu, überwindet den Tod und lebt weiter, wo Menschen ihm vertrauen. Unterwegs sein setzt Bewegung voraus. Warten allein reicht nicht aus. Wer den angekündigten Gast kaum mehr erwarten kann, geht ihm entgegen. Steht auf, bereitet sich vor, stimmt sich ein. Unnötiges kann liegenbleiben, Umwege sind zu vermeiden. Je näher das Weihnachtsfest kommt, umso mehr frage ich: Was in meinem Advent ist (un-)nötig? Was sind die Umwege, die mich wegführen vom Wesentlichen? Wird mein Weg sich mit dem Weg Gottes treffen? Bin ich unterwegs oder trete ich auf der Stelle?Umkehr ist das zentrale Wort, mit dem das Markusevangelium beginnt. Zunächst wird Johannes der Täufer vorgestellt, jene biblische Person, die Jahr für Jahr durch den Advent begleitet. Er rief zu seiner Zeit zur Umkehr auf und „alle Einwohner Jerusalems zogen zu ihm hinaus, um ihre Sünden zu bekennen.“ Auch Jesu Wirken beginnt, so berichtet der Evangelist Markus, mit dem Aufruf zur Umkehr: „Jesus sprach: Die Zeit ist erfüllt. Das Reich Gottes ist nahe. Kehrt um, und glaubt an das Evangelium!“Umkehrprediger sind schon lange nicht mehr erfolgreich, obwohl nichts für unsere Welt wichtiger wäre, als ein kräftiger Umkehrschub. Die Wege weltweiter Ausbeutung und Ungerechtigkeit verlassen, umkehren zu Menschlichkeit, Freiheit und Versöhnung – so lauten die Gebote der Stunde. Wer ehrlich die globale Entwicklung betrachtet, kann nicht ruhigen Gewissens behaupten, daß die Richtung stimmt. Ernstzunehmende Experten behaupten, daß die Zeit drängt, um der Erde noch eine Chance zu geben.Unsere Richtung heißt Betlehem. Der Stern leuchtet auch heute, freilich in Konkurrenz von Sternchen und Stars, von Überflüssigem und Unwesentlichem. Kurswechsel ist angesagt: Unterwegs zum Kind im Stall, zu Gott als Mensch.