Für einen Schwerkranken ist sie „mein Engelein“. Eine Ader für die Schwachen hatte sie allerdings schon in der Schule. Und immer noch sind ihr die Benachteiligten besonders nahe: der Gründerin und Koordinatorin der 40köpfigen Pfarrcaritas in Nüziders, Mechthild Frei. Als eine Alleinstehende nicht länger in ihrer Wohung betreut werden konnte, besuchten Mechthild Frei und andere sie in der Pflegestation in Bludenz. Weil sie die Teilnahmslosigkeit der Insassen dort so erschütterte, trommelte Frei ein paar Frauen zusammen: „Wir gehen da einfach einmal hin und singen ein paar Lieder.“ Das Echo war so positiv, daß sie mit anderen Frauen wieder auf Besuch ging. Das war der Beginn vor zehn Jahren. Heute zählt das Pafarrcaritasteam von Nüziders acht Arbeitskreise. Wenn die Sache läuft, gibt Mechthild Frei die Leitung ab und schaut sich nach anderen Nöten um. Beim Besuchsdienst, dem ältesten Arbeitskreis, ist sie weiter dabei. „Manchmal“, so erzählt sie, „geht das bis zur Sterbebegleitung.“ Und wenn keine Angehörigen mehr da waren, wurde auch schon für ein Begräbnis gesorgt. Nur nicht überfordernBewegendes hat das Team dabei schon erfahren. Besonders eindrücklich blieb ein Erlebnis mit einem Mann: „Er schrie sehr viel, ohne daß jemand herausgefunden hätte, warum. Eines Tages sangen wir drinnen, während er draußen im Garten saß. Weil er dazwischen wieder so schrie, wollte ihn seine Frau aufs Zimmer bringen. Wir baten ihn aber herein, und zur allgemeinen Überraschung sang er plötzlich alte Lieder mit. Das tat er dann öfters. Für die ganze Station war es wie ein Wunder.“Die Gründerin des Sozialkreises, wie die Pfarrcaritas sich ursprünglich nannte, handelte stets aus persönlicher Betroffenheit auf eine Notlage oder einen Mißstand. Doch immer verstand sie es, andere – in der Regel Frauen – zum Mitmachen zu bewegen. Sie hat dafür ein Erfolgsrezept: „Nicht die fragen, die ohnehin schon (über)engagiert sind; fündig wird man nicht nur bei den regelmäßigen SonntagsgottesdienstbesucherInnen; neue Projekte nur mit neuen Leuten; und niemand darf mehr als zwei Stunden im Monat beansprucht werden, außer sie/er tut es freiwillig.“ Aufgaben findet die rührige Hausfrau immer. Mitunter bittet sie den Herrgott auch um eine Pause, ehe sie ihn wieder auffordert: „So, jetzt kannst du mir wieder jemand schicken.“ Da können dann schon seltsame Dinge passieren.Im Oktober letzten Jahres kam von außen die Bitte, einen jungen, todkranken Mann aufzusuchen. Der Freundeskreis und die Familie konnten mit der krankheitsbedingten Aggressivität des Mannes nicht umgehen. „Er war von der Krankheit schwer gezeichnet“, erzählt Mechthild Frei. Allen Schwierigkeiten zum Trotz gelang es ihr und einer Mitarbeiterin, eine Beziehung zu dem 29jährigen aufzubauen. Daß sie ihm eine Wohnung organisieren konnte, freute ihn riesig. Tief bewegt schildert sie, wie er letztes Jahr mit ihrer Hilfe noch Raketen für Silvester einkaufte. „Zu Hause hat er dann gleich eine Rakete abgefeuert – nur für mich, als Dankeschön.“ Als sie unmittelbar darauf plötzlich selber ins Spital mußte, benachrichtigte sie ihren Schützling davon und erkannte, daß er den Kampf gegen den Krebs bald verlieren würde. Sie wußte, daß er große Angst davor hatte, allein sterben zu müssen. Also verständigte sie die Hospizbewegung, die ihn bis zum Tod bald darauf betreute. Glaubwürdig Christ seinIhr Engagement begründet Mechthild Frei kurz und bündig: „Mir geht es um gelebtes und glaubwürdiges Christentum. Denn die Echtheit des Glaubens wird am Umgang mit den Notleidenden und Schwachen gemessen.“ Deswegen fällt sie aber bei niemanden mit der religiösen Tür ins Haus. Die Leute, besonders in der Obdachlosenwohngemeinschaft der Caritas im Nachbarort Bürs fragen von selber: „Warum kommst du?“ „Warum soll ich nicht zu dir kommen?“, fragt sie dann zurück und versichert: „Du bist mir genausoviel wert wie jeder andere. Und beim Herrgott zählen ja auch alle gleich viel.“ Ihre aktuelle Sorge gilt einem sterbenskranken Mann, dessen Wohnung – von der Pfarrcaritas beschafft – sie gestern mit zwei anderen Frauen gereinigt hatte. Der ungläubige Kommentar des Mannes über die eine Helferin: „Daß mir die Frau Bezirkshauptmann die Wohnung putzt!“ Ob er Angst vor dem Sterben habe, hat Mechthild Frei gefragt. Nein, er bete ja jeden Abend.Was denn, wollte die anteilnehmende Betreuerin wissen und ist noch heute gerührt über die Antwort: „Herrgott, dankeschön für alles!“Walter GreußingDie Arbeitskreise q Besuchsdienst auf der Pflegestation im Krankenhaus Bludenzq monatlicher Nachmittag für einsame und ältere Menschen (November bis Ostern)q Kranke und einsame Menschen im Dorf besuchen; Krankengottesdienst feiernq Flüchtlingshilfeq Randgruppenbetreuungq Hausaufgabenhilfe für In- und Ausländerq Geschenke und Trauerkerzen bastelnq Hospizbewegung/Trauernde besuchen.Dazu kommen fallweise spontane Aktionen.